logo

"10 Kanus, 130 Speere und 3 Frauen"
Eine Film-Kritik

Autor und Regisseur  jenes im Jahr 2006 mit einem Budget von   2,2 Millionen Dollar produzierten australischen Films ist der Holländer  ROLF DE HEER, ein Name,  den  man in unguter Erinnerung behalten sollte ; denn dieser Film ist ein Musterbeispiel für hemmungslose patriarchale Ideologie, die sich hinwegsetzt über die Kulturgeschichte. 

Es ist der erste Film,  in welchen sämtliche Schauspieler Aborigines sind, die in ihrer Sprache die von de Heer erdachten (recht schwachsinnigen)  Dialoge   sprechen (in der deutschen Fassung mit deutschen Untertiteln),  und damit ist es  der erste Film , der  ausschliesslich in der Sprache der Aborigines hergestellt wurde.  (Auch im Produktionsstab durften einige Aborigines mitarbeiten und dem weissen Herrn de Heer  dienen.)

Der Film  soll den Eindruck erwecken, auf ethnographischen  Tatsachen zu beruhen, also eines getreuen Blicks in die  traumzeitliche Urgeschichte der Ureinwohner.

In Wahrheit ist er ein märchenhaftes   Geschenk an die Urvater- Gemeinde, ein Hohelied auf das  Patriarchat, das solche Selbstaufblähung offenbar nötig hat.

Schon in den ersten Sätzen  des   Aborigin-Erzählers  (in deutscher Sprache synchronisiert)  verrät der Autor de Heer seine patriarchalische Ideologie:

Der noch ungeborene Erzähler schwimmt als fertig erzeugter  Vater-Sohn in einem Tümpel und denkt  "natürlich"  an seinen Vater .

Dieser unilinear-patrilineare Sohn bittet seinen  zur Monogenese fähigen Vater, eine Frau zu suchen, die ihm, dem väterlichen Seelensohn, endlich zur Geburt verhilft.    Kein Gedanke an eine Mutter.

Wir lernen:  Die klugen Aborigines haben seit Urzeiten schon genau so gedacht,  wie  später die patriarchalischen Griechen :  " Es zeugt allein der Vater". Diese  Bedeutungslosigkeit und Geringschätzung der Frauen   zieht sich konsequent durch den  Film.  Frauen oder Mütter spielen in dieser herrlichen Jäger-Krieger-Gesellschaft keine Rolle. Die Frauen sind allesamt keine  Mütter . Kinder kommen bemerkenswerter Weise  in dem Film nicht vor. Frauen sind eine infantile, kichernde Gruppe von Sammlerinnen, die meist nur im Fluss baden und dummes Zeug reden.

Deshalb hat jeder erwachsene Jäger-Krieger drei von diesen Kindfrauen, die um die Gunst ihres Herrn buhlen  und sich , wie es der kleine Moritz erwartet, eifersüchtig anzicken. Warum keine von ihnen Mutter wird, erfahren die Zuschauer nicht.

-  2  -

Woher diese  Frauen kommen, ob die Dorfgemeinschaften die Exogamie (die ja für die Aborigines in Wahrheit  ein so wichtiges Problem  war)  matrilokal oder patrilokal , oder überhaupt,  praktizierten , darüber verliert Autor de Heer kein Wort.

Er weiss nur,  dass durch die Polygynie  der  erwachsenen älteren Krieger die Jung-Mannen sexuell leer ausgehen und warten müssen , bis der ältere Bruder stirbt und sie seinen kleinen Harem erben. (also "kollaterale" Erbfolge). Offenbar leben also die Söhne nicht bei ihren Vätern, von denen sie etwas erben könnten, sondern im Dorf ihres älteren Bruders. Warum dies so ist,  hat de Heer wohl selbst nicht verstanden.

Das Drama des Films ist,  dass der kleine, aber bereits geschlechtsreife , Bruder , der , mit seinen post-pubertären Altersgenossen, im Jungmänner-Haus  darbend seiner ersten Kopulation entgegen fiebert, ein Auge auf die jüngste der drei Frauen seines Bruders geworfen hat, was ein grober Verstoss gegen Sitte und Anstand ist.  Schliesslich, als der grosse Bruder stirbt , erwacht der junge Mann aus seiner Traumwelt: Er erbt nicht nur die geliebte junge Frau, sondern auch  noch die anderen beiden, die ihm, wie Ehefrauen halt so sind,  natürlich das Leben schwer machen.    Ein böses Erwachen.

Die Lehre für den jungen Mann:  Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen.

Dass ein solches  Machwerk von den Angehörigen der Urvatergemeinde   Preise erhält , kann man sich denken; schliesslich leben  Männer heute in einer schweren Zeit, weil die Frauen stetig an Selbstbewusstsein gewinnen und  ihre Unterwürfigkeit abnimmt. Da ist zur Kompensation der  angeschlagenen  aufgebläht-maskulinen Selbstüberschätzung  auch die dümmlichste Geschichte offenbar wie Balsam.

Wie verräterisch ist doch der Titel:  130   SPEERE  (!) und 3 FRAUEN .

"Det möchste wohl" würde Kurt Tucholsky  gehöhnt haben.

gerd_bott_die_erfindung_der_goetter_th_180

 

Im Buchhandel erhältlich und bei

Books on Demand (BOD)

Amazon.de

Google Books