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INDOEUROPÄER und KURGAN- POPULATIONEN
Equiden-Domestikation und Equiden-Krieger

1) Russel  GRAY  und Quentin ATKINSON  von der Universität Aukland haben  im  Nov. 2003   in der Zeitschrift    NATURE  (R. D. Gray, Q. D. Atkinson: Language-tree divergence times support the Anatolian theory of Indo-European origin. In: Nature. Macmillan Journals, London 426.2003, S.435-439, ISSN 0028-0836. ) statistische Untersuchungen auf der Grundlage  linguistisch-genetischer Faktoren  publiziert mit dem Ergebnis, dass die Diversifizierung einer indoeuropäischen  UR-SPRACHE bereits  zwischen 7.800  und 5.800  v. Chr. stattgefunden haben müsse , und zwar von ihrem  URSPRUNGS-GEBIET  ANATOLIEN aus.  (siehe auch SPIEGEL-online  28.11. 2003).

Die Autoren gehen davon aus, dass  die Ausbreitung der indoeuropäischen Sprache  mit der Migration von anatolischen  RINDER-BAUERN  verbunden war.

Dass die Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL den von den Wissenschaftlern angegebenen Zeitrahmen  " von 7.800 bis 9.800 Jahren" vor heute kurzerhand vorverlegt  auf  9.800  bis  7.800 v. Chr. ,  die Entstehungszeit also um 2.000 Jahre früher ansetzt als die Wissenschaftler, zeigt erneut die leichtfertige Ungenauigkeit, mit der heute sogen  "Wissenschafts-Redakteure" arbeiten.

GRAY und ATKINSON  stützen mit  ihrer These die Annahme, dass sich die indoeuropäischen Sprachen nicht  erst in Zentralasien , sondern bereits zuvor  in Anatolien entwickelt  und  sich dann von dort aus über den Kaukasus  nach Norden  ausgebreitet hätten, die sogen.  "Anatolien-These" .  Insofern wird die These  Colin RENFREWS erhärtet, der  Anatolien  zum Ursprungsgebiet der indoeuropäischen Sprachen erklärt hatte. Die zentralasiatische Region  nördlich des Kaukasus und südlich des Ural , die kaspisch-pontischen Steppen , aus welcher zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehörenden KURGAN-Populationen dann später mit ihrer markanten  "Hügelgräber-Kultur" nach Europa einwanderten, ist also nach diesen Erkenntnissen nicht  die Region, in der die indoeuropäische   "Ursprache"   entstanden ist.

2) Der Linguist H. HAARMANN hatte schon 2006  diese  Renfrew-These (Entstehung der indoeuropäischen Grundsprache in ANATOLIEN) als  "spekulativ" bezeichnet (S. 155, 173) , aber auch er setzte  die Entstehung einer indoeuropäischen  "Grundsprache" auf ca. 7.000  v. Chr. an (S. 152 ff)

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In seiner jüngsten Veröffentlichung (2010) : DIE  INDOEUROPÄER .  Herkunft, Sprachen, Kulturen" (C.H.Beck Wissen ) wendet sich Haarmann ausdrücklich gegen  die  "Anatolien-These" Renfrews  (allerdings ohne die Arbeit von Gray/Atkinson auch nur zu erwähnen)  und  vertritt die Auffassung, dass die proto-indoeuropäsiche  Ursprache nicht in Anatolien, sondern   in EUROPA entstanden sei , und zwar  in der südrussischen Waldsteppe zwischen Wolga und Don  ( vgl. aaO. S. 16 ff.).

Haarmann vertritt folgende Auffassung :

Die indoeuropäische Grundsprache  habe sich  um 7.000 v.Chr.   in EUROPA , in den kaspisch-pontischen Steppen, der  "Urheimat" der Indoeuropäer, herausgebildet  (S. 13 f. ; 23 ). Ab  4.500 v. Chr.  spalteten sich  nach und nach die verschiedenen indoeuropäischen Einzelsprachen von der Grundsprache ab  (S. 14)  und spätestens  2.500 v. Chr.  ist jener Abspaltungs- und Differenzierungs-Prozess abgeschlossen, was die Auflösung der Grundsprache zur Folge hatte.  (S.  52).

Erwähnt sei auch Haarmanns  (2006) Auffassung, dass  keine einzige der  übrigen Grundsprachen, aus denen alle modernen Sprachen hervorgegangen sind , bereits  früher als um   10.000  v. Chr.  entstanden sei .  (S. 83).

Hinweisen möchte ich darauf , dass nach beiden Schulen  jener Prozess der  indoeuropäischen Sprachentwicklung  in eine Zeit fällt, in der  zwei weitere prähistorische Gross-Ereignisse der Kulturgeschichte zu datieren sind:

(a)  das  Blütezeit  Catal Höyüks um   7.000  v. Chr.  als damals grösste  Siedlung der Erde  und  (b) das  Erreichen der Rinder-Domestikation um 7.000 v. Chr. , die ebenfalls erstmals in Anatolien verwirklicht wurde.  Ob diese kulturgeschichtlichen  Grosstaten vielleicht  Populationen der indoeuropäischen Sprachfamilie zuzuschreiben sind, erscheint damit nach der  "Anatolien-These"  möglich . Die beiden vorgenannten Schulen  vertreten in diesem Punkt der  "Urheimat" mithin  unterschiedliche Auffassungen .

Haarmann (2010)  behauptet , es sei erwiesen, dass die Bewohner Catal Höyüks keine Proto-Indoeuropäer gewesen seien . ( aaO. S. 17).

Zukünftige Forschung wird wohl diesen Dissens klären.

3) Wichtig ist es, festzuhalten , dass auch durch die   "Anatolien-These" , die Gray/Atkinson (wie Renfrew) vertreten ( Anatolien als  Urheimat der indoeuropäischen Grundsprache )  die GIMBUTAS-These nicht widerlegt wird , die  ja  davon ausging, dass jene Einführung  indoeuropäischer Sprachen  nach EUROPA erst mit den  KURGAN-INVASIONEN nach 4.500  v. Chr.  begann.

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3.1: L.L. CAVALLI SFORZA  (" Genes, pueblos y lenguas" - 1996/2000) hatte bereits 1996 darauf hingewiesen, dass , auf Grund seiner genetisch-linguistischen  Forschung und nach neueren Erkenntnissen der Archäologie,  die Thesen  Renfrew's    sich mit denen von Gimbutas'   gut  in Einklang bringen lassen.  Er schrieb  bereits 1996 :

" In der Linguistik ist die  Renfrew-These (Ursprung der indoeuropäischen Sprachen in der Region  Anatolien) auf geringere Resonanz gestossen als die von Gimbutas, aber beide Hypothesen stehen m.E. nicht in Widerspruch zu einander."  (S. 123).

Gimbutas' Theorie verbindet die ersten Populationen mit indoeuropäischen Sprachen mit der Kurgan-Zivilisation in den Steppen Asiens. Aber als Gimbutas  diese These publizierte, waren die Zeiten des Aufbruches der Kurgan-Völker  ( in Richtung Europa) noch unzureichend bekannt. Gimbutas setzt diese auf   3.000  bis 3.500  v. Chr. an, ein Datum, welches seinerzeit der englischen Archäologie als unmöglich, weil zu früh,  galt.

Kürzlich (also 1996 !    G.B. )  sind Gimbutas' Datierungen allerdings durch neue Ausgrabungen bestätigt worden , durch die zugleich belegt wurde,  dass in jener Region und zu jener Zeit das Pferd bereits domestiziert worden war und Streitwagen hergestellt wurden." ( S. 160).

Diese Auffassung habe ich mir*  zu eigen gemacht :

Die von Cavalli-Sforza erwähnte  angelsächsische Kritik , die vor 1995  publiziert wurde, und die sich  kampagnenartig und oft  bösartig, gegen Gimbutas Kurgan-Theorie  ergoss, (vgl. in diesem Blog : "Die Anti-Gimbutas-Kampagne")  ist damit als fehlerhaft und unhaltbar erwiesen. Leider ist dies von vielen sogen. "Fachleuten" immer noch nicht erkannt worden. Das ist um so befremdlicher als auch  HAARMANN  (2006) auf der Basis weiterer Forschungsergebnisse die Auffassung von Cavalli Sforza  bestätigte (S. 159) und auch die Gimbutas-Theorie der Kurgan-Invasionen nach Europa ausdrücklich bekräftigte. (S. 167). Neuerdings hat  auch der  Anthropologe  David W. Anthony (2007) :  In seinem Buch  "The Horse , the Wheel, and the Language : How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes shaped the Modern World "  diese vielgescholtene Gimbutas-These bestätigt. ( S. 225 ff.)

Haarmann  (2010) vertritt  zudem    die Auffassung, dass   die   "Anatolien-These" heute   als linguistisch unhaltbar  erwiesen  sei und bestätigt die  KURGAN-Thesen  von Gimbutas .(S. 18 , 54 ).

Die von Gimbutas angenommenen Migrationen der Kurgan-Populationen aus der Region Zentralasien,  d.h. nördlich des Kaukasus und südlich des Ural,  nach Europa sind  also durch die neuere Forschung bestätigt worden .

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3.2: Festzuhalten ist :  Zwar fand die Bovidendomestikation erstmals in Anatolien statt, die Domestikation des Pferdes hingegen nicht ;  denn südlich des Kaukasus gab es keine  Wild-Pferde. Es  waren  aber nachweislich  die zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehörenden  Kurgan-Populationen  , die in   den kaspisch-pontischen Steppen  Eurasiens  das Pferd domestizierten.

Wenn man  der Theorie  Renfrews,  Gray u. Atkinsons folgt,  ist es nach der Einsicht  von Cavalli-Sforza  durchaus denkbar , dass  die Ursprache der  "Proto-Indouropäer"  ihren Ursprung in Anatolien hatte , und dass  jene "proto-indoeuropäischen"  Rinder-Bauern zunächst von Anatolien über den Kaukasus nach Eurasien eingewandert waren und sich dann in den kaspisch-pontischen Steppen zu jenen Kurgan-Populationen entwickelten, denen die Domestikation des Pferdes  gelang und die  dann ,ab etwa 4.000 v. Chr. , ihre Sprachen nach Europa brachten .

3.3: Nach der  "Anatolien-These "  wären  es mithin aus Anatolien emigrierte Rinderbauern gewesen , denen in den kaspisch-pontischen Steppen  die Domestikation des Pferdes gelang, und zwar  nachdem sie etwa 3000 Jahre lang Rinder gezüchtet hatten.

Dass jene Indoeuropäer, die das Pferd domestizierten , Rinderbauern waren, ist auch  der Befund des  Anthropologen  David  W. Anthony (2007) :  In seinem Buch  "The Horse , the Wheel, and the Language "  schreibt er, dass die Proto-Indoeuropäer in den Steppen nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres  RINDER-Züchter waren. (S. 132)  und dass jene domestizierten Rinder spätestens um  5.800  v. Chr. von Rindernomaden, aus  WEST-ANATOLEN in jene kaspisch-pontische Region getrieben wurden.  (S. 138).

Da unstreitig  ist, dass die nordkaukasischen Kurganpopulationen, die in Eurasien  das Pferd domestizierten, zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehörten,  müsste , für den Fall, dass  die indoeuropäische Grundsprache  in ANATOLIEN entstand ("Anatolien-These"),  also angenommen  werden, dass   von Anatolien aus   indoeuropäische Rinderbauern nach Norden migrierten   und  sich  spätestens  5.800 v. Chr. in der Region nördlich des Kaukasus und südlich des Ural niedergelassen hatten und sich dort  zu den  Pferde  züchtenden  Kurgan-Populationen  weiter entwickelten.

Hier zeigt sich nochmals , dass  CAVALLI SFORZA richtig erkannte, dass die These der Marija GIMBUTAS durchaus vereinbar ist mit der RENFREW-These; denn, wie wir  sehen,  würden beide Thesen einander durchaus ergänzen .

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4). Die  Emigrationen der Indoeuropäer aus den kaspisch-pontischen Steppen  (die  er für ihre  "Urheimat" hält), beschreibt Haarmann (2010) wie folgt:

4.1.: Schon vor der ersten Emigration , nämlich  4.700  -  4.500 v. Chr., hatten  sich die Indoeuropäer etabliert  als    "herrschende Gruppe" über die in der ukrainischen  Region  TRYPILLYA  ( = Tripolje)   ansässigen "Ackerbauern" , und darunter versteht Haarmann durchgehend  RINDER-Bauern ( S. 17, 18, 19,20, 59) . Auf diese Weise akkulturieten sich -so Haarmann - die Indoeuropäer  selbst von Pferdenomaden zu  sesshaften Rinderbauern, die auch Pferde hielten. (S. 36). Die   indoeuropäischen Herren trugen  Streit-Äxte , mit Pferde-Köpfen verziert waren. (S. 38 ).

Bemerkenswert  ist : Haarmann setzt die Entwicklung der Indoeuropäer  zu Rinderzüchtern über 1.000 Jahre später an als sein häufig zitierter Gewährsmann Anthony (vgl. oben Ziff. 3.3.)

Aber  auch Haarmann geht davon aus , dass die Indoeuropäer die Emigration aus  den kaspisch-pontischen Steppen erst begannen, nachdem sie sich zu Rinderbauern entwickelt hatten.

4.2.: Die früheste Emigration setzt Haarmann ,wie Gimbutas  "KURGAN I" ,  auf   4.500 - 4.100 v. Chr. an :  Es waren  jene Nomaden , die in die Nordwest-Region des Schwarzen Meeres,  in die Nordost-Region Bulgariens , nach  VARNA , einwanderten.  (S. 20 ;  34).

In jener karpatisch-balkanischen Region stiessen diese Indoeuropäer bei den Ansässigen   auf  Kenntnisse  der   METALLURGIE . Dort hatte  bereits um 5.500 v . Chr.  mit  sehr einfacher KUPFER-Metallurgie das  Chalkolithikum begonnen. (S. 38).

Ab  4.500  v. Chr.  wurden dort die ersten Artefakte aus  GOLD hergestellt.  Dort wurden auch die ältesten   hierarchischen Männer-Gräber gefunden mit  Goldbeigaben. (S. 39).

vgl. dazu auch   *Die Erfindung der Götter" , S. 317 ff.)

Haarmann  hält es  zudem für denkbar, dass jene VARNA-HERRSCHER   "Nomaden-Führer" der Indoeuropäer waren. (S. 39 ; 47).

Allerdings ist hervor zu heben, dass es in der Varna-Kultur keine Hinweise auf domestizierte Pferde, geschweige denn auf "Reiter"- Krieger gibt.

4.3.: Nach ihrer Sesshaftigkeit als Rinderbauern kamen dann  , unter der Herrschaft der Indoeuropäer , in der Tripillya-Region  nach  4.000  v. Chr. auch   RAD  und WAGEN in Gebrauch.  ( S. 25 ; 30), wie ja auch in Mesopotamien. Als Zugtiere für dieses neue Gefährt verwendeten die rinderbäuerlichen Indoeuropäer sowohl  OCHSEN als auch PFERDE ( S. 39 ).  Ab 3.500 v. Chr. verbreitet sich aus jener Tripillya-Region  die Pferde-Wagen-Kultur.   (S. 40).

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Daraus folgt, dass auch Haarmann davon ausgeht, dass die Indoeuropäer das Pferd als  ZUG-Tier  und  WAGEN-Pferd erst domestizierten, nachdem sie zuvor länger als  ein Jahrtausend  Rinder gezüchtet hatten  (oben Ziff,- 4.1.).

4.4.: Erst nach dieser bahnbrechenden Erfindung  emigrieren Indoeuropäer um  3.000 v. Chr.  als  KURGAN III in die Region der mittleren DONAU und nach  SÜD-UNGARN   ( S. 38).

5 ) . In den historischen Kulturwissenschaften wird schon seit geraumer Zeit  die  "Equiden-Domestikation" auf etwa 4.000 v. Chr. angesetzt; denn auch in der Region südlich des Kaukasus wurde durch die dort ansässigen Rinderbauern der  WILDESEL  (ONAGER) domestiziert und so weit  abgerichtet, dass u.a. die SUMERER  diese Equiden bereits  vor ihre Streitwagen spannten, mit denen sie  3.300  v. Chr. die Ubaidianer in Mesopotamien  besiegten und deren Städte unter ihre Herrschaft brachten.

5.1.) Durch eine Veröffentlichung von Alan K. OUTRAM et al. (University of Essex , UK)  in der Zeitschrift SCIENCE  (6.3.2009) wird aufgrund von  C 14 - Analysen und Pathologie-Untersuchungen erneut bestätigt, dass in der ponto -kaspischen Steppe  Zentralasiens, im heutigen Kazakhstan, Russland, Ukraine, die  Domestikation des Pferdes um 3.500 v. Chr. bereits soweit gediehen war , dass den Tieren  ZÜGEL angelegt werden konnten. (Was ja  für die Lenkung von  Wagen-Pferden die Voraussetzung ist.)

5.2.) Eine Veröffentlichung von Arne  LUDWIG et al. vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung  in SCIENCE  (24. 4. 2009) erbringt ebenfalls  den Nachweis , dass die  ZUCHT der Pferde in der gleichen Region um 3.500 v. Chr. bereits  weit fortgeschritten war, denn  die  Veränderung der  Gene bewiesen, dass die  Zucht , bereits zu verschiedenen Fellfarben geführt hatte . (von Natur aus sind die Fellfarben nur braun und schwarz) . Wir können damit  etwa   4.000 v. Chr.  als gesicherten Zeitpunkt annehmen.

Arne Ludwig  zieht daraus  allerdings einen weiter reichenden und , wie ich zeigen werde, fehlerhaften Schluss :

"Die  indogermanischen Sprachen konnten sich auf dem Rücken der Pferde verbreiten". (so SPIEGEL-online 24.4.2009).

Damit sagt Ludwig  Richtiges und Falsches  in einem kurzen Satz:

Richtig ist daran nur, dass die PFERDE-ZÜCHTER Kurgan-Populationen waren, die zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehörten und dass  erst diese Kurgan-Populationen die indoeuropäischen Sprachen nach Europa brachten . Also genau so, wie Gimbutas gefolgert hatte .

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Dass ein Wissenschaftler  allerdings  -  sofern der Spiegel richtig zitiert - heute die  INDOEUROPÄISCHEN  Sprachen noch  INDOGERMANISCH nennt ,  ist ja schon äusserst befremdlich.

Kulturhistorisch falsch aber ist seine ergänzende Behauptung , die Kurgan-Völker seien bereits um  4.000 v. Chr. "AUF DEM RÜCKEN DER PFERDE," also als  REITER ,  nach Europa eingedrungen.

Das trifft nicht zu.  Es ist kulturhistorisch und archäologisch  erwiesen,  dass das Pferd  zunächst als  Zugtier und am  am WAGEN an die  Zügel genommen wurde und dass die ersten Wellen der kriegerischen Kurgan-Völker STREITWAGEN-KRIEGER und keine  REITER-Krieger  waren.

Den gleichen Fehler wie   Arne Ludwig   hatte auch schon Marija Gimbutas gemacht,  (vgl. dazu   *"Die Erfindung der Götter", S. 70 ).  und    weiter unten Ziffer  (6) .

Irrtümer dieser Art lassen sich bei  "FACH-Wissenschaftlern"  , seien sie Archäologen, Linguisten oder Anthropologen  immer wieder nachweisen, wenn sie sich zur  Geschichte  äussern, ohne das ihre kultur-historischen Kenntnisse dazu ausreichen.

5.3: Diesem Irrtum erliegt auch  der  Linguist HAARMANN  (2010), der bereits die ersten Equidenkrieger der Kurganpopulationen für  REITER-Krieger hält ( S. 27) und damit übersieht, dass die ersten Equidenkrieger sämtlich  STREITWAGEN-Krieger waren.

Mit seiner Annahme,  das Pferd sei schon bald nach  7.000 v. Chr. domestiziert worden , und zwar nicht nur als  FLEISCH- und MILCH-Lieferant ( S. 27) ,  (also  fast  zeitgleich mit den Rindern in Anatolien) , sondern auch als   LAST- und sogar  als  REIT-Tier  (S. 27)  steht Haarmann  (2010) völlig allein.

Es gibt für eine solche  Vermutung absolut keine Belege . Für seine ungewöhnliche These führt Haarmann denn auch  keine Belege an.

2006   hatte  Haarmann  noch angenommen, die   Pferde-Domestikation  sei im 6. Jahrtausend anzusetzen.  (S. 158 ).

Mit seiner  Reiter-These  folgt er  der  - irrigen - Annahme von Marija Gimbutas.  (vgl. "Die Erfindung der Götter"  S.70).

Was Haarmann mit seiner Annahme, dass Pferd sei schon Jahrtausende vor der Erfindung des Wagens als   LAST-Tier domestiziert worden,  meint , lässt er überraschenderweise Weise offen .

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Spätere kulturhistorische Erkenntnisse  belegen eindeutig , dass PFERDE  -im Gegensatz zu den domestizierten Eseln- eher zum ZIEHEN   als zum TRAGEN  von LASTEN  geeignet sind und eingesetzt werden.

Diese Logik fordert deshalb, die Annahme Haarmanns (S. 27)  dahin zu interpretieren, , dass seiner Meinung nach,  die indoeuropäischen Nomaden bereits  vor der Erfindung des Wagens dem Pferd Zügel angelegt und es als ZUG-Tier  , in eine Art Brust-Joch gezwängt, vor ihre Land-Schlitten zum Ziehen von LASTEN , wie Zelte, Hausrat usw. (S. 27)  gespannt hätten ; ganz ähnlich, wie es die Rinder-Nomaden mit ihren Ochsen machten.

Wenn es   auch für diese These keine Belege gibt, so will ich  , wenn Haarmann denn daran gedacht haben sollte , nicht ausschliessen, dass Domestikations-Versuche als ZUG-Tiere bereits vor der Erfindung des Wagens , also vor 3.500 v. Chr. , stattgefunden haben.

Eine so frühe Domestikation als REIT-Tier, die Haarmann annimmt, ist indessen auszuschliessen , vor allem aber  die militärische Nutzung des Pferdes durch  REITER-KRIEGER , von der Haarmann ausgeht. ( S. 27  ,31 ,   86).

6 ).  Erst STREITWAGEN-    dann   REITER-Krieger

Kulturhistorisch ist erwiesen und unstreitig, dass die Equiden-Krieger als STREITWAGEN-Krieger   in die Geschichte eintraten.  Alle frühen  (stadt-) staatlichen Gesellschaften wurden nachweislich von Streitwagen-Kriegern konstituiert oder erobert, und nicht etwa von REITER-Kriegern. (vgl. hierzu grundsätzlich und ausführlich :  Alexander Rüstow, Bd. I   I./5 :  "Kriegswagen und Reitpferd" , S. 66  - 73  mit zahlreichen  Belegen  S. 298  -  304 :  Auch Max Weber hatte diese historische Chronologie  schon erkannt : n.69 ).

6.1.: STREITWAGEN-Krieger waren :

(1) SUMERER (3.300 v. Chr.) mit  ihren  domestizierten Onagern und Wagen mit Scheibenrädern.

(2) Die semitischen AKKADER (2.300 v. Chr. ) , wie auch deren Nachfolgewelle, die   AMORITER ( 2.000 v. Chr.)

(3) Die indoeuropäischen mykenischen  ACHÄER und IONIER ( 2.000 v. Chr.) , die Begründer der ältesten Stadt-Staaten in Europa ( mit Ausnahme Kretas), die Haarmann  zwar richtig als Streitwagen-Krieger auch bildlich  darstellt (S. 31) zugleich aber  -irrig-  auch  als  REITER-Krieger bezeichnet. (S, 30).

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(4) Die   ITALIKER  , die ab 2.000 v. Chr. nach Italien eindrangen .

(5) Die indoeuropäischen  HETHITER ( 1.800 v. Chr.) Herrscher des ersten anatolischen Flächenstaates.  1274 v. Chr. zogen die Hethiter  mit  3.500   STRETWAGEN -Gespannen gegen die Ägypter in die Schlacht von Kadesh. Von REITER-Kriegern ist keine Rede.  Dennoch  spricht Haarmann (2010) auch hier unvermittelt und  beleglos ,  und damit irrig,  von den Hethitern als  "Reiter". (S. 31).

(6) Die indoeuropäischen INDO-ARIER (1.700 v. Chr.) Überlagerer des Elam/Iran und danach  Indiens.  Das altpersisch-avestische Wort für "Krieger"           ist "Besteiger der Kriegswagen" (Rüstow aaO.   S.302, n.69)

Dass sie Streitwagen-Krieger waren, weiss auch Haarmann (2010)   S. 84, 85, 87 .  Und dennoch bezeichnet er  auch sie , unvermittelt  und  ohne Beleg ,   auf S. 86  als   "berittene Nomadenkrieger" .

(7) Die multitribalen  HYKSOS (1.700 v. Chr. ) (Churriter und Arier) , die für etwa zwei Jahrhunderte als Pharaonen über Ägypten herrschten und  Pferd und Streitwagen nach dort brachten. Deshalb konnte Ramses II.  1274 v. Chr.  seine eigenen  Streitwagen-Truppen gegen die Hethiter ins Feld führen.

(8) Die  indoeuropäischen  KASSITEN ( 1.650 v. CHR.) ,  die die Herrschaft im Amoriter-Reich übernahmen.

(9) Die multitribalen  CHURRITER ( 1.500 v. Chr.)  (Churriter und Arier), Gründer und Herrscher des  MITANNI-Reiches.

Das  archäologisch-historisch älteste   schriftliche Zeugnis  über die  "Ausbildung von Pferden"   stammt aus MITANNI  (1.400 v. Chr.) und bezieht sich nicht etwa auf die Ausbildung von  REIT-Pferden, sondern  von  WAGEN-Pferden, wie nicht anders zu erwarten.

FAZIT: Alle diese ersten  equiden-kriegerischen Staatsgründungs-Populationen waren unstreitig  STREITWAGEN-Krieger, ohne kavalleristische  REITEREI.

Hätten die Menschen , wie Haarmann meint, die hohe  Kunst des Reitens  schon vor  der Kunst des  Fahrens erlernt , dann wären die ältesten Darstellungen von Mensch und Pferd sicher nicht immer im Zusammenhang   mit "Pferd und Wagen", sondern uns wäre  bereits irgendeine Abbildung  eines Reiters oder zumindest von "Reiter-Spielen" in die Hände gefallen,  ähnlich wie die   "reiterlichen"  Stier-Spiele Kretas .

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Aber selbst wenn in Zukunft irgendein Beleg auftauchen sollte, dass es  vereinzelt, ein gelegentliches  spielerisches Reiten schon vor dem Fahren  mit dem Pferde-Wagen  gegeben haben sollte, so würde auch dies  nicht  die These  stützen, die Equiden-Krieger  hätten ihr Unwesen als Reiter-Krieger begonnen, wie Haarmann postuliert. (S.   31 , 86)  .

6.2:  REITER-Krieger traten erst  nach den Streitwagen-Kriegern, als  zweite Welle der Equiden-Krieger, ab 1.200 v. Chr. in die Geschichte ein.

Zu ihnen gehörten  u.a. :

(1) Die   multitribale , indoeuropäisch geführte ,   "ägäische" Invasion nach 1.200 v. Chr. , an der   neben den multitribalen  "Illyrern" auch die DORER beteiligt waren , die  dann um   800  v. Chr.  das Staatsgebiet der mykenischen Achäer vollständig erobert und unter ihre Herrschaft gebracht hatten.

(2) Die indoeuropäischen  Stämme der  KELTEN (  1.000 v. Chr.) ab 800 v. Chr.  erfolgreiche Eroberer.

(3) Die multitribalen indoeuropäischen SKYTHEN ( 800 v. Chr.)

(4) Die indoeuropäischen  SARMATEN (  mächtig um 800 v.Chr,).

(5) Die  MEDER und PERSER , die  jetzt  in den Iran eindrangen .

(6) Die  ARIER , die als zweite Welle nach INDIEN vorstiessen .

(7) Die  ROEMER (750 v. Chr. ) die  in Italien die ETRUSKER unterwarfen .

(8) Die aramäischen  CHALDÄER (650 v. Chr.), die Erbauer des biblischen "Turms zu Babel" .

(9) Die indoeuropäischen Stämme der  GERMANEN ( ab ca.  400 v. Chr.)

um nur die wichtigsten zu nennen.

(Zu den Streitwagen-Kriegern in China vgl.in diesem Blog :  STREITWAGEN-KRIEGER   IN    CHINA und Patriarchalisierung der  Mythen .

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FAZIT : Es zeigt sich, dass die Reiter-Krieger  den vorangegangenen Streitwagen-Kriegern militärisch überlegen waren; denn wo immer sie angriffen,  konnten sie die Streitwagen -Krieger besiegen und unterwerfen.

Mit den furiosen Siegen  der Reiter-Krieger, die  den patriarchalischen Militarismus nochmals verstärkten , hatte der Streitwagen nach mehr als 2000 Jahren militärischer Nutzung. weitgehend ausgedient. Aber  auch zur Zeit der REITER-Krieger blieb der , von den Equidenkriegern seit Alters her "geheiligte" Streitwagen , auf dem die Indo-Arier ihren Krieger-Gott INDRA  , wie die Babylonier ihren Kriegsgott MARDUK (1.100 v. Chr.)   den Himmel befahren lassen ,  noch lange das Prestige-Fahrzeug für  Götter , Herrscher  und Könige  .

Was kann uns da schon die von Haarmann so häufig und gern als Argument  für seine Reiter-These angeführte keltische REITER-Göttin EPONA  sagen, von der er nur eine Abbildung  aus dem Jahre  150  NACH Chr. anbieten kann .  (S. 69).  Auch die Pferde-Skulptur, die er auf S. 25 abbildet, entbehrt ja jeder Aussagekraft.  Wildpferd-Jäger, die das Pferd als Fleichlieferanten schätzten , haben  schon im Aurignacien das Pferd in Höhlenzeichnungen dargestellt.

6.3:   Militärhistorisch ist logisch und erwiesen  , dass REITER-Krieger ihren Vorgängern , den STREITWAGEN-Kriegern, militärisch überlegen sind : Sie sind schneller und wesentlich beweglicher und wendiger; denn sie können , anders als die Fahrzeuge , auch im unwegsamen Gelände militärisch operieren . Voraussetzung ist dafür allerdings, dass  ein Mann allein auf dem Rücken des Pferdes  in der Lage ist, Waffen zu handhaben. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit , solange der Steigbügel nicht erfunden war .

Ein Streitwagen hingegen ist ja  mindestens mit zwei Männern , mit einem Kutscher und einem Kämpfer,  besetzt (häufig sogar mit zwei Kämpfern). Damit kann sich der  (oder die) Kämpfer allein auf den Kampf konzentrieren , und er hat beide Hände frei zum Gebrauch  von Waffen und/oder für den Schild. Im Nahkampf war ein Reiter   ohne Steigbügel  unterlegen. Dies ist wohl auch der Grund, warum selbst die Römer, die ja  längst auch über Truppen von Reiter-Kriegern verfügten, die Streitwagen in offener Feldschlacht  auch weiterhin  einsetzten .

6.4: Als Erklärung dafür, dass Reiter-Krieger sich erst sehr viel später als Streitwagen-Krieger entwickeln konnten, werden auch folgende Argumente vorgebracht:

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(a)  Das Pferd konnte zunächst nur  , den Rindern entsprechend, als  ZUG- Tier ,  und somit auch am Wagen domestiziert werden und war erst nach längerer Zucht als Reit-Tier geeignet.

(b) Das Stockmass der archaischen Wildpferde, von denen Haarmann (2010) als Reit-Pferd ausgeht , betrug nur  1,20 m  bis  1,40 m.

Für einen erfolgreichen reiter-kriegerishen Einsatz war es zu klein ( Anthony/Brown 2000).  Ferner war der (erst später erfundene) Steigbügel Voraussetzung für erfolgreichen militärischen Einsatz.

(c) Auch im Sammelband  der Archäologen Marsha Levine, Colin Renfrew & Katie Boyle (ed.). Prehistoric Steppe Adaptation and the Horse.  (2003) wird bestätigt , dass es keine Belege für die (von Haarmann und Gimbutas angenommene)  so frühe Nutzung des Pferdes  als  Reit-Tier gibt.

6.5: Schliesslich konnten die Vertreter der  Annahme   : " Erst Reiter , dann Streitwagen"  bisher keine plausible Antwort geben auf die Frage: Warum sollten  Reiter-Krieger auf ihre  ( später geschichtlich erwiesene) militärische Überlegenheit  plötzlich verzichten ,  die Reiterei aufgeben und auf den Streitwagen umsteigen ? Logisch und plausibel ist nur die umgekehrte Entwicklung, für die ich die historischen Belege genannt habe .

6.6: Angesichts dieser eindeutigen archäologischen und historischen Befunde bleibt mir unverständlich , dass  ein so renommierter Linguist wie  Harald Haarmann  die Meinung vertritt:  Erst Reiten, dann Fahren, d.h. dass das Pferd schon  im 7. Jahrtausend  als Reit-Pferd domestiziert worden sei. ( so  S. 27 ; 30 ; 31).

Es überrascht deshalb nicht, dass Haarmann für seine Vermutung nicht einen einzigen Beleg anführt; weder archäologisch noch historisch.

Die ältesten Darstellungen von  MENSCH UND PFERD (bzw. Equiden)sind sämtlich  " MENSCH UND EQUIDE UND WAGEN". Die älteste ist die eines sumerischen Streitwagenfahrers von 3.200 v. Chr.

Dies weiss auch Haarmann (2010); denn die älteste von ihm abgebildete Darstellung einer Equidendomestikation ist ein mykenischer Wagenlenker (S. 31).

Es existiert aus der historischen  Zeit  der Streitwagen- Krieger keine Darstellung eines Reiters.

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6.7: Bemerkenswert  ist ferner, dass Haarmann (2010) durchaus weiss  :

"Ganze Reiterformationen wie zur Zeit der Skythen im 1. Jahrtausend v. Chr.  hat es bei den prähistorischen Nomaden sehr wahrscheinlich noch nicht gegeben".  (S. 28)

Noch deutlicher wird er  dann auf Seite  47  unter Bezug auf Marija Gimutas:

"Die  Vorstellung , dass riesige Reiterhorden aus der russischen Steppe nach Westen gestürmt seien , ist unhaltbar"  ( S. 47).

In dieser Einsicht ist Haarmann voll zuzustimmen. Aber trotz dieser Erkenntnis behauptet er   beleglos und fälschlich ,  die mykenischen Achäer seien   "berittene Kriegerverbände" gewesen  (S. 30) .

Dem ist  auch noch entgegen zu halten, dass selbst Homer( und dies  zur Zeit der reiter-kriegerischen Dorer ) in der Ilias  beschreibt , dass die Achäer und Trojaner nur mit Streitwagen  Krieg gegen einander führten .

6.8 : Auffällig ist , dass Haarmann  sich zur Untermauerung  seiner These , die Indoeuropäer seien von allem Anfang an  REITER-Krieger  gewesen (also erst später auf Streitwagen umgestiegen) , ausschliesslich auf die zweite historische Welle der Equidenkrieger beruft, und zwar vor allem auf die Skythen (S. 28) , die Kelten und deren REITER-Göttin Epona (S. 29, 30 , 69)  sowie  die Sarmaten und Alanen (S. 30,  94 ).

Es versteht sich, dass diese späten Reiterkrieger, die erst nach 1.000 v. Chr. in die Geschichte eintraten,  keine Rückschlüsse zulassen auf  die Zeit vor 3.500 v. Chr. , vor der Erfindung des Wagens . Sie haben keinen Erklärungswert.

6.9: So ist denn festzustellen, dass Haarmann  für seine REITER-These nicht einen einzigen historischen oder archäologischen Beleg anführt, eben weil es solche Belege nicht gibt . Deshalb rekurriert er auf eine einzige Spekulation  , die allerdings  absolut keinen Erklärungswert hat, weil sie nicht plausibel ist , wie ich zeigen werde :

Als Motiv für die  ursprüngliche Domestikation des Pferdes als REIT-Tier  bringt Haarmann (2010) nur  das folgende sozio-ökonomische  Argument  vor  :    Nur mithilfe des Pferdes als  REIT-Tier  wären die Indoueuropäer  um 7000  v. Chr. in der Lage gewesen,  ihre grossen   Caproviden-Herden  (Schafe und Ziegen) zu  kontrollieren , weil  die Hirten-Hunde  dazu  nicht  fähig gewesen seien.  ( S. 27).

Diese Vermutung  lässt sich leicht widerlegen durch zwei Gegenargumente:

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(a) Noch heute lassen sich alle Caproviden-Herden  allein mit Hirten-Hunden kontrollieren;  Pferde sind dazu nicht nötig und werden dafür nicht eingesetzt.

(b) Selbst von den Kritikern der  "Anatolienthese" wird eingeräumt, dass  sogar die  wesentlch schwerer zu kontrollierenden Rinder-Herden von ihren Hirten-Nomaden aus West-Anatolien bis in die  kaspisch-pontischen Steppen getrieben wurden,  und dies   allein mithilfe ihrer HUNDE ;  ( (Anthony ;oben Ziff.3.3. )  denn die anatolischen Rindernomaden hatten ja keine Pferde , wie auch Haarmann (2010)  weiss  (S.29).

FAZIT: Für  die  UR-REITER-These  von Haarmann , Gimbutas , Ludwig  und anderen   gibt es  mithin  keine archäologischen oder historischen Belege , und auch mit sozio-ökonomischen Argumenten kann sie nicht plausibel gemacht werden.

Historisch ist  vielmehr offensichtlich  , und belegt ,  dass die Equiden-Krieger (die ich dem  *MODUS IV zuordne), seien sie Indoeuropäer oder Angehörige anderer  Sprachfamilien,   ab  3.300  v. Chr. zunächst   als  STREITWAGEN -Krieger die Herrschaft über andere Populationen  mit Gewalt  durchsetzten  und erst über  2000 Jahre später als  REITER-Krieger .

Festzustellen ist  noch , dass die  "Trichterbecher-Kultur" in Europa, ein Kultur von Rinderbauern, die dort etwa 1.500 Jahre nach der Immigration der  rinderbäuerlichen  "Bandkeramiker" , ab  4.100  v. Chr. erstmals  in Erscheinung tritt , zwar die Annahme einer Hierarchisierung nahe legt, dass aber Hinweise  auf eine Domestikation des Pferdes (also den von mir* beschriebenen Modus IV ,  fehlen .

vgl. im  *Buch   S. 142 ff.  MODUS IV. :  Equidenkrieger  ;

Anmerkung 19a : S. 394

und  ferner in diesem Blog:

Zur sozialen Organisation der Bovidenzüchter

Sumerer, Semiten , Indoeuropäer:  Streitwagenkrieger

Hyksos, Hurriter, Mitanni:  Streitwagenkrieger 

Die Anti-Gimbutas-Kampagne:  Der Kampf gegen die Göttin

240.000   Equiden-Krieger   in   "A T L A N T I S" 

Streitwagen-Krieger in  China und Patriarchalisierung der  Mythen

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