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Missionarisch kontaminierte Mythen der INKA

Archiv-Notiz  zu  Gary Urton (1999, British Museum):  Mythen der Inka.

(in RECLAM: Mythen Alter Kulturen  , 2002 ) .

1)  Der Autor weist darauf hin, dass wir alle Mythen der INCA nur aus  Aufzeichnungen der Spanier kennen. (S. 33). Diese Quellen seien mit Vorsicht zu geniessen, weil sie in vielen Fällen von katholischen Missionaren verfasst wurden und deshalb mit christlichen Glaubensvorstellungen durchsetzt sind; z.B. wurde dem sogen.  "Schöpfergott" VIRACOCHA  "Dreifaltigkeit" zugeschrieben. (S. 54).

2)  Die  INCA waren bekanntlich die KÖNIGE einer aristokratischen,  patriarchalischen, imperialistischen KRIEGER-Gesellschaft, die an der gesamten Pazifikküste Südamerikas ab 1400 viele priesterfürstlich-königliche Flächenstaaten und Stadtkönigtümer eroberten und mit Waffengewalt ihrem Gross-Reich einverleibten.  Ihre Herrschaft dauerte bis zur spanischen Conquista 1532, wobei Völker, die zuvor  von den Inca unterworfen worden waren,  sich auf die Seite der Spanier schlugen, um sich von der Inca-Herrschaft zu befreien.  Ohne diese indigenen Hilfstruppen, hätten die Spanier die Inka nicht besiegen können, wie inzwischen archäologisch nachgewiesen ist und bisher von den westlichen Historikern gern übersehen wurde.

3)  Der Inca  als Monarch und seine  Aristokratie herrschten  über einen Staat von Ackerbauern ( vor allem Maiskultur)  und Viehzüchtern (Lamas). Die Unterworfenen  waren   tributpflichtig und mussten Frondienste  leisten , daneben gab es Sklaverei.  (S. 19). Die SKLAVEN  wurden   Yanacona genannt, d.h.  "dunkles, dienendes Volk " (S. 17) , was uns an die  "Varna" der   Indo-Arier erinnert.

4)  Diese  MONARCHEN ,  der  jeweilige   "SAPA  INCA"  ("einziger" Inca) , führten von Anbeginn ihre dynastische Herkunft auf den ersten König,  Manco Capac zurück.  Die Inca galten als irdische Manifestation der  SONNE =  INTI (S. 14)  und sie waren  "GOTT-KÖNIGE", wie der  "Viracocha Inca" (S.84,86).

5) Die   Könige wurden  mumifiziert, wie auch die  fürstlichen Ahnen der Stämme  , die dem Inca-Imperium einverleibt wurden , und sie wurden in einem Totenkult  verehrt.

Dieser Mumien-Kult hatte grosse Bedeutung. (S. 31, 39, 105).

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6) Die Hauptfrau des Königs, die COYA, Königin , galt als irdische Verkörperung des   MONDES . Die  COYA  war eine " Schwester des Königs", was zumindest für die Spätzeit nachgewiesen ist. (S. 14, 67). Auch in den Mythen finden wir die göttliche und  priesterfürstliche  Geschwister-Ehe (S. 67).

Ferner gibt es Hinweise auf ein  bilineares Thronerbrecht, d.h. sowohl  der  mit der Sonne identifizierte Inca, wie die mit dem Mond identifizierte Coya, also König und Königin,  mussten beide Abkömmlinge einer Königin und eines Königs sein.  (S. 79).  Im übrigen    hatte das Erbrecht vom Vater auf den Sohn ( also in absteigender Linie , d.h. das Erbrecht nach Stämmen) Vorrang vor dem kollateralen Erbrecht (in der  Seitenlinie) und es galt die Primogenitur.  (Erstgeburtsrecht). (S. 69, 79).

7)  Der Inca unterhielt neben seiner dynastischen Ehe einen Harem, dem 40 bis 100  Nebenfrauen angehörten. (S. 14).

8) Als Kultstätten  dienten im Reich   die   PYRAMIDEN (S. 19). Es wurden täglich  Tier-Opfer von 100  Lamas gebracht, ( S. 16)  also  "Hekatomben",  wie  (die Rinder) bei den Griechen.

9) Auch  MENSCHENOPFER , vor allen  KINDER, wurden ständig den Göttern dargebracht, und zwar nicht nur Kriegsgefangene. (S. 17, 23, 104).

Dieser  Blutkult hat seine Spuren auch im Mythos hinterlassen,   in welchem er von den Kriegern allerdings einer Göttin zugeschrieben wird:  Die  MAIS-  und  KRIEGS- GÖTTIN   MAMA  HUACO wurde als  tapfere Kriegerin , die bestens mit der Steinschleuder zu kämpfen weiss , mythographiert.  Sie schüchtert die Feinde dadurch ein, dass sie  den Männern die Brust aufschneidet und Herz und Lungen  herausreisst und damit die Feinde in Angst und Schrecken versetzt. (S. 73).

10)  Als  sogen.  "Schöpfergott"  verehrten die Inca den Sonnengott PACHA CAMAC oder  VIRACOCHA. (S. 49, 54, 86).

Im Mythos schafft der Schöpfer Pacha Camac das erste Menschen-Paar. Der Mann stirbt und der Schöpfer/Sonnen-Gott schwängert die Menschen-Frau mit seinen Strahlen. Sie gebiert einen Sohn, den der Schöpfergott  aus Eifersucht  zerreisst. Aus dessen Körper schafft er Pflanzen und Tiere, aus den Zähnen z.B. den Mais. Von den Leichenteilen nimmt der Schöpfer den  Penis und den Nabel und erschafft daraus seinen neuen Sohn.  Danach tötet der Schöpfer die Menschen-Frau und überlässt ihren Kadaver achtlos  den Totenvögeln. (S. 99).

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11) Auch der  TEUFEL  kommt  in den von den katholischen Spaniern aufgezeichneten Mythen vor und  er nimmt oft die "Gestalt einer schönen Frau" an. (S. 86).

12)  Der Autor beschreibt eine Reihe kratogonischer Mythen  und weist -zutreffend-  darauf hin, dass sowohl die  "Schöpfungsmythen" als auch die "Ursprungsmythen" dazu dienten, die hierarchische Inca-Herrschaft zu bestätigen. (S. S. 17, 57). Allerdings nennt er -unverständlicher Weise-  auch jene eindeutig kratogonischen Mythen    "kosmische Schöpfungsmythen".

Er offenbart damit ein mangelndes Differenzierungsvermögen und unzureichende kulturwissenschaftliche Kenntnisse.

13)  Eine ERD-GÖTTIN  , PACHA MAMA, die ja heute noch von den  indigenen Völkern verehrt wird,  erwähnt der Autor mit keinem Wort.

vgl.   auch die Aufsätze   in diesem Blog:

Schöpfungs-Mythos  der Maya 

"Sakrales" Königtum in Afrika

Thronerbrecht der Pharaonen

Thronerbrecht der Hethiter 

gerd_bott_die_erfindung_der_goetter_th_180

 

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