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Nachwort

Mit  dem  HERR-Gott  steht und fällt das Patriarchat.
Die Religion des VATER-Gottes  erweist sich sozio- und psycho- historisch als Erfindung einer Politischen Theologie, die Herrschaft mit Heil verband  und als gottgewollt unters Volk brachte. 

(1) Jede   Abhandlung,   die  ein  kulturgeschichtlich   so bedeutsames Thema wie   "Die Erfindung der Götter" zum Gegenstand nimmt, muss, wenn sie wissenschaftlich ernst genommen werden will, die grundsätzliche Frage klären, zu welchem historischen Zeitpunkt und unter welchen sozio-ökonomischen Bedingungen die Menschen ihre Vorstellungen von weiblichen oder von männlichen Gottheiten entwickeln konnten und entwickelten.

Da die Vorstellung eines  Schöpfer-Gottes männlichen Geschlechts  nicht denkbar ist ohne  HERR-Schaft , mithin ohne eine patriarchale Sozialordnung ,  setzt die Untersuchung des historischen Prozesses der Götter-Erfindung soziologisch  eine eingehende   Patriarchatsforschung voraus : Es geht um die Klärung der Frage, wann patriarchale Sozialverbände historisch erstmals auftraten und damit zugleich  nach dem  Ursprung der Herrschaft.

(2) Kulturhistorisch sind es die  Rinder-Nomaden bzw. Rinder-Bauern des Neolithikums,  denen es   - spätestens  im Chalkolithikum -   erstmals gelang ,  dem  männlichen Erzeuger als  "Vater" eine soziale Bedeutung zu verschaffen. Voraussetzung dafür war die Ersetzung der urgeschichtlichen , paläolithischen,  Bluts-Familie durch die  eheliche Paarungs-Familie , die ihrerseits wiederum die Privatisierung des urgeschichtlichen, also vor-neolithischen, Gemeinschafts-Eigentums voraussetzt, und das bedeutet  die  Institutionalisierung eines  individuellen  Privat-Eigentums.

(3) Die Institutionalisierung der ehelichen Paarungs-Familie als Wirtschaftsgemeinschaft mit Privateigentum  geht ferner einher  mit der Einrichtung einer auf gesellschaftlicher Arbeitsteilung beruhenden  hierarchischen  Klassengesellschaft, in der es Herren und Knechte , also Herrschaft  , gibt.

4) Erst wenn es den Männern gelungen ist,  auf Erden die  EHE und die Paarungsfamilie mit der ihr eigenen Dominanz des Vaters in der Sozialordnung durchzusetzen, kann auch ein  VATER-GOTT als  Schöpfergott  in  den Himmel projiziert werden.

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(5) In erster Linie geht es mir darum,  Interpretationen und Theorien, die über paläolithische Sozialverbände und über die sehr unterschiedlichen sozialen Entwicklungen  in den , von mir unterschiedenen und beschriebenen , vier Modi  des Neolithikums veröffentlicht worden sind,  zu falsifizieren , d.h. ihre Unhaltbarkeit aufzudecken und  nachzuweisen.

Damit ist dann  Raum  geschaffen für andere Interpretationen ,  und daraus folgt  die Notwendigkeit , neue Theorien vorzulegen, und zwar solche , die nicht  -wie die herrschende Lehre-  mit den archäologischen und sonstigen historischen Befunden in Widerspruch stehen, sondern mit ihnen überein stimmen.

Dies setzt vor allem für die Anthropologie und Ethnologie auch eine Abwendung vom sogen. "Strukturalismus" voraus, der immer ein geschichtsfeindliches  Denken bemäntelt.  Ohne  realitätsbezogene  sozio- und psycho-historische Analysen kann das auf dem Boden einer kritischen Theorie sich entfaltende Denken nicht zur Erkenntnis kultureller Entwicklungen vordringen.

(6) Auf dieser Grundlage und gestützt auf  die Erkenntnisse der Natur- und Kultur-Wissenschaften habe ich  mich bemüht , mithilfe der Logik,  eine Theorie  zu entwickeln,  die in sich widerspruchsfrei ist und einen hohen Erklärungswert  des thematisierten Phänomens  bietet.

Es ist naiv , zu denken, dass  schriftliche   Quellen der Vergangenheit, wie z.B. die niedergeschriebenen Mythen, uns die historische Realität zeigen würden , oder etwa ,  "was die Menschen damals gedacht und geglaubt haben".

Mich lassen  - im Gegensatz zu den VertreterINNEN einer idealistischen Geschichtsauffassung -  die schriftlich verfassten und tradierten Mythen zunächst nur erkennen, was die damaligen Mythographen ihre Untertanen glauben machen  wollten.  Jene Schriftgelehrten  mögen an Vorstellungen des  "Volksglaubens" angeknüpft haben, schrieben aber das nieder, was im Interesse der Herrschaft von den Tempeln  als  Politische Theologie  verkündigt , d.h. propagiert werden sollte .  Auch Dichter haben sich immer wieder in den Dienst der Herrschaftspropaganda gestellt.

Es   ist   offensichtlich,   dass   ein   Glaube,   wie   der  an  die  sumerische

"Göttin des Himmels und der Erde",   INANNA, oder , in der Zeit davor,  an die  "Mutter Erde" , die "in den Natur-Religionen bäuerlicher Kulturen als mütterlich gedachte Erd-Gottheit im Mittelpunkt steht"  (so lexikalische Hinweise), sich  nur durch  gezielte, kulturelle Einflussnahme in der Weise  ändert, dass  die Göttin durch Götter ersetzt wird, zu deren Untertanin sie degradiert wird.

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(7) Seit der Institutionalisierung von Herrschaft wissen die Herren aus Erfahrung, wie wirkungsvoll es ist, ihre Untertanen mit der Idee von dem  „EINEN“, dem  „ALLMÄCHTIGEN“ und dem  „königlichen HERRN“ zu indoktrinieren ;  denn diese hierarchische  GOTT-VATER-Religion erweist sich als die ideale  Untertanen- und Sklaven-Religion.

Die durch Unterdrückung verängstigten und in Angst gehaltenen  menschlichen Herden-Tiere  hält der   HERR als   "GUTER HIRTE" in Abhängigkeit , um sie für sich arbeiten zu lassen und  um sie  zu melken .

Nur  Sklaven und Untertanen  beten ihren HERRN an  . Ein Freier Mann ist  "sein eigener Herr",  eine Freie Frau ihre eigene  "Herrin" , wie    "man"   zu sagen pflegte .
Der Terminus   HERR/HERRIN ist indessen irreführend , weil Autonomie nichts mit Herrschaft zu tun hat.

Gerhard Bott
Januar  2011

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