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Sozio-politische Voraussetzungen
des GOTT-KÖNIGTUMS

(1) Dass ein patriarchalischer Stammes-Fürst von Boviden-Hirten  oder  Rinder-Bauern , mit denen  wir ab 5.000 v.Chr. rechnen können, innerhalb seines  eigenen Sozialverbandes, dem er vorsteht, zu der Machtfülle  eines  GOTT-Königs aufsteigen kann, ist so unwahrscheinlich , dass für eine solche Annahme eindeutig überzeugende Beweise erbracht werden müssten .

Das gilt auch noch für einen Stammesführer patriarchalischer Equidenzüchter und Streitwagenkrieger , die nach 4.000 v.Chr. in die Geschichte eintreten. Dass sein eigener Stamm seinen Heer-Führer als  GOTT-König anbeten würde, ist durch nichts belegt und aus psychologischen wie soziologischen Gründen  so gut wie ausgeschlossen; es ist ja eine Binsenweisheit der menschlichen Erfahrung, dass der Prophet nichts in der eigenen Verwandtschaft gilt. 

(2) Eine Machtfülle, wie sie uns bei "Gott-Königen" ab ca. 3.000 v.Chr. erkennbar wird, bei den ersten Pharaonen (Scorpio oder Menes-Narmer) oder bei den sumerischen Stadt-Königen Dumuzi, Enmerkar, Lugalbanda, bei dessen Sohn Gilgamesh (dem Festungsbau-König von Uruk) , oder bei den ebenfalls  deifizierten Königen von Ur , denen  bis zu 80 Untertanen ins Grab folgten, lässt sich nur auf andere Weise überzeugend erklären: Voraussetzung dafür, eine derartige Machtfülle in ihrer Person zu vereinigen, die den Herrscher auf die Stufe der Göttlichkeit  emporhebt , begegnet uns regelmässig nur dort, wo  eine Eroberung fremder Städte und die Unterwerfung der besiegten Population vorausgegangen war . So hatten die Könige der Sumerer als Heerführer mit ihren Streitwagenkriegern  die bereits blühenden Städte der mesopotamischen Bovidenkultur  UBAIDS unter Ihre Herrschaft gebracht ;  d.h. ein sumerischer Stammesfürst ist  nicht mehr nur  "der ERSTE" , d.h. der   "FÜRST" ( =  " f  i  r s t " ) in seiner Population, sondern  fortan herrscht er auch über eine stammesfremde Bevölkerung.

In ähnlicher Weise besetzten kriegerische Stammesfürsten aus Ober-Ägypten  andere, vor allem auch unter-ägyptische Stadt-Staaten, deren  Herrscher sie demonstrativ hinrichten und den Kopf zwischen die Beine legen liessen, um  danach   ihre Eroberungen als "Reichseinigung von Ober- und Unter-Ägypten " zelebrieren zu lassen und ihrer pharaonischen Herrschaft zu unterstellen.

(3) Der Zugewinn an Städten und Untertanen,  an Bovidenherden, landwirtschaftlichen Nutzflächen, sowie vor allem an Militärmacht, über die der siegreiche König , unterstützt durch seinen Militär-Adel, fortan herrschte (denn jeder Soldat dient gern dem siegreichen König) , erhöhte dessen Reichtümer,  sowie sein militärisches Potential  und damit auch seinen

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Rückhalt bei seinem stammverwandten Krieger-Adel, der  ja mit ökonomischen und sozialen Vorteilen belohnt wurde.

Dass  allerdings die Adligen der eigenen Ethnie ihren Stammesfürsten, mit dem sie verwandt waren, deshalb selbst für  einen GOTT  hieltem, darf mit guten Gründen bezweifelt werden. Einleuchtend aber ist, dass   diese  Herrschaftselite daran mitwirkte, dass die Besiegten, die neu gewonnenen Untertanen, den siegreichen König für einen Gott hielten; denn vom göttlichen Glanz fiel ja auch ein Schimmer auf sie , die in seiner Nähe und um ihn waren, besonders sobald ein darauf spezialisierter  Priester-Adel dafür  sorgte.

(4) Jenes ursprüngliche Gott-Königtum , sei es, dass den Untertanen der Pharao als Verkörperung des Sonnengottes HORUS präsentiert wurde , sei es dass der Uruk-König Gilgamesh, so wie die Könige von Ur, denen gläubige Untertanen bis ins Grab folgten ,   deifiziert wurden, findet  -vorläufig - ein  Ende mit dem Pharao  AMENHOTEP  IV  ( ca. 1.350 V.Chr.)

Als ECHNATON legt der Pharao demonstrativ alle Göttlichkeit ab, lässt sein Menschsein hervorheben und will nur die Rolle des Hohepriesters  der  von ihm verkündeten universalen Welt-Gottheit für sich reservieren. Aber dies bedeutet , für Echnaton,  in der politischen Realität einen Machtzuwachs , weil der Pharao sich dadurch der Mitherrschaft der übrigen Priester-Elite entledigt. Fortan hat nur noch er , der Pharao selbst , Zugang zu dem  EINEN GOTT, nur Echnaton ist Sprecher der Gottheit , und die Tempel der alten Götter verlieren ihre wirtschaftliche und politische Macht.

Aber wohl schon früher, um 1.700 v.Chr., hatte der mächtige babylonische Gesetzgeber-König der Amoriter , HAMMURABI , sich  den Untertanen seines grossen, mit militärischer Gewalt zusammengeschweissten Imperiums, nicht mehr als für alles Geschehen verantwortlichen GOTT  präsentiert, sondern hatte die  schwer zu tragende Verantwortung für Naturkatastrophen  und Ähnliches  an die Himmlischen abgegeben , und sich selbst dadurch entlastet.

(5)    Der  THEISMUS , der nach dem realen Vorbild eines irdischen  "König der Könige" entsprechend auch einen  "König der Götter",  einen Pantheon-Chef , entwickelt , eine Theologie , in der es   " Den EINEN  und die Vielen" gibt, ist ja eindeutig ein hierarchisches Konzept. Aus dieser Erkenntnis folgt, dass in den archaischen nicht-herrschftlich organisierten Sozialverbänden ,  also unter den Bedingungen von Egalität und  Akephalität , eine solche Theologie nicht gedacht werden kann. Die zuweilen vertretene Annahme, sie  könne, unabhängig von der jeweiligen , historisch gegebenen Gesellschaftsordnung, als  "strukturelles" Prinzip  auftreten, erweist sich bei  genauem psychohistorischem Nachdenken als verfehlt und unhaltbar.

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Ferner: Überall, wo wir statt der archaischen geschlechtsspezifisch-kollektiven Arbeitsteilung eine   soziale-individuelle Arbeitsteilung in einer Gesellschaft vorfinden, lässt sich erkennen und theoretisch nachweisen, dass  es die Herrschafts-Elite  war , die diese   soziale (immer zugleich kompetitive) Arbeitsteilung eingeführt und durchgesetzt hat. Die damit  meist verbundene Verdinglichung des Einzelnen und seine Entfremdung  ist keine biologische , keine  organische Entwicklung, aus der dann, sozusagen auf   natürliche  Art und Weise , schliesslich sich auch die Herrschaft von Menschen über Menschen  entwickelt .

Eine solche Annahme wäre ein   hysteron proteron , eine Vertauschung von Ursache und Wirkung. Vielmehr ist das Erringen und die Durchsetzung von Herrschaft das Primäre, die Ursache, und die Durchsetzung der sozialen Arbeitsteilung die Folge: GEHORSAM  und Arbeitsdienst der Vielen entwickeln sich nicht  "organisch", sondern setzen immer BEFEHLSGEWALT und Herrschaft von Wenigen voraus.

Diese Voraussetzungen für die Entstehung eines Gott-Königtums lassen sich mit gleicher Deutlichkeit feststellen bei den deifizierten Königen der INKA, der Azteken, der Maya etc., die jeweils ihre Reiche durch kriegerische Eroberung fremder Gesellschaften    "gegründet "   hatten.

Immer waren es die Besiegten, die Unterworfenen, denen der  von aussen mit unwiderstehlicher Gewalt  in ihre Welt eingedrungene Eroberer  als   "vom Himmel kommend" und   als  von den Göttern zum Herrschen eingesetzte König   präsentiert wurde  als ein   "Gott-König".

vgl. auch  in diesem Blog:

"Sakrales"  Königtum in Afrika  ? ( ERYTHRÄA)

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