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Zur Katastrophentheorie
von James DeMeo: "SAHARASIA"

De Meo erkennt  folgendes richtig: 

1) Patriarchale Gesellschaften entstanden erstmals um 4.000 v.Chr. (also im Chalkolithikum).

2) Vor-patriarchale Kuturen waren  "matristisch", d.h. soziologisch  matrifokal.

3) Der Gegenüberstellung von "patristisch/gepanzert" und "matristisch/ungepanzert" ,  sowie  der Anlehnung an Wilhelm Reich stimme ich zu.

4) Grundsätzlich  sieht er auch den ursächlichen Zusammenhang zwischen  den  "Wanderungen von Hirten-Nomaden" und der Entstehung patriarchaler Sozialverbände richtig.

5)  Problematisch, ungenau und widersprüchlich erscheint mir  nur seine   URSACHEN-Forschung für  jene WANDERUNGEN der (Boviden ?) Hirten-Nomaden, und zwar in zweierlei Hinsicht:

(a)  ich sehe nicht, dass der Anlass dieser Wanderungen nur auf "ökologische Katastrophen" (und dies in erster Linie in SAHARASIA) zurückgeführt werden könnten;

(b) dass diese patriarchalen Strukturen allein bei den wandernden  Saharasia-Hirten entstanden seien  und  mit ihnen von dort ihre Ausbreitung durch Migration gefunden hätten.

Beide Ansätze erscheinen mir unhaltbar:

Hirten-Wanderungen gab es schon zwei bis drei Jahrtausende früher von Anatolien aus., und zwar nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus epidemischen Gründen (was eine "Katastrophe"  anderer Art wäre. (vgl. im einzelnen meinen Essay  "Bovidenzüchter" in diesem Blog ). Warum also Saharasia als Ursprungsort und Ausgangszentrum ?

DeMeo bleibt  in diesem Punkt auch  sehr unklar und widersprüchlich; denn an anderer Stelle weist er  (zu Recht) darauf hin, dass  Hirten-Nomaden  von Asien aus  (vor 4.000 v. Chr.)  nach Saharasia immigriert seien. (vgl. hierzu auch meinen Bovidenzüchter-Essay  C, I. ). Kamen sie  nach  de Meos Auffassung etwa als matrifokale Hirtengemeinschaften und wanderten  später als patriarchale Hirtengesellschaften von Afrika   zurück nach Asien ?

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De Meos Auffassung , dass  die ( equiden-kriegerischen) Kurganpopulationen sich aus jenen Rinderbauern entwickelt hätten, die zuvor als patriarchale Gruppen aus Afrika kommend sich in Zentralasien niedergelassen hätten, erscheint mir äusserst zweifelhaft, weil es dafür keine Belege gibt; im Gegenteil: Linguistisch/genetische Befunde lassen erkenne, dass die Vorfahren jener  Kurganpopulationen mit ihren Rinderherden aus Anatolien (wo die Rinder-Domestikation erstmals um 7.000 v. Chr. gelungen war)  nach Zentralasien eingewandert waren.  Ich sehe also keine Belege für die These de Meos.

Aber selbst wenn seine  örtliche Ursprungs-  und Migrationsthese unhaltbar sein sollte, würde dies ja wenig an seinen  sonstigen zutreffenden Befunden  (oben Ziff. 1 bis 4 ) ändern.

Auch die Katastrophen-Hypothesen von G. Heinsohn : "Die Erschaffung der Götter. Das Opfer als Ursprung der Religion" (1997)  (und dessen Gewährsmann I.  Velikovsky)  sehe ich als wissenschaftlich nicht fundiert und unhaltbar an : vgl.  * Kapitel  X , Ziff. 12.4. , S. 205 .

vgl. hierzu in diesem Blog den ausführlichen Essay:

Zur Sozialorganisation der Boviden-Züchter 

Indoeuropäer und Kurganpopulationen:  Streitwagen-Krieger

Sumerer, Semiten , Indoeuropäer :  Streitwagen-Krieger

gerd_bott_die_erfindung_der_goetter_th_180

 

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