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Der Kampf gegen die Göttin:
Zur Kampagne gegen Gimbutas

Ein Blogger namens Robert Sheaffer, erklärter Verteidiger des Patriarchats, hat Texte von bestallten Wissenschaftlern ins Netz gestellt, die , seiner Meinung nach, die Unwissenschaftlichkeit der Befunde und Interpretationen von Marija GIMBUTAS beweisen sollen : 

Robert Sheaffer - robert at patriarchy dot com

revised August, 1999

Some Critiques of the Feminist/New Age "Goddess" Claims

Dass die "GÖTTIN" in Anführungszeichen gesetzt wird , was ja beim Wort "GOTT" völlig undenkbar wäre, bereitet die Leser subkutan schon darauf vor, dass es zwar die Verehrung von GOTT, aber die prähistorische Verehrung einer "GÖTTIN" nie gegeben habe. Die "claims", d.h. die Annahme oder gar Ansprüche, die homo sapiens-Gemeinschaften hätten in prähistorischer Zeit eine "GÖTTIN", sei es eine Erd-Göttin oder Mutter-Göttin verehrt, werden also bereits in der Überschrift als etwas völlig Unwissenschaftliches markiert.

In Sheaffers Zusammenstellung gibt es zwei kurze Texte von Gimbutas, die , wie wiederholt betont wird, nach Meinung der "AKADEMISCHEN WELT"("academic") ihre völlige Unbedarftheit als Wissenschaftlerin belegen sollen , Auffassungen für die jene Hoch-Akademiker nur ein Kopfschütteln übrig haben. Gimbutas wird zitiert mit folgenden Texten: 

"Die auf eine Göttin zentrierte Kunst mit der auffälligen Abwesenheit von Darstellungen des Krieges oder männlicher Herrschaft,....und ein ausgewogenes nicht-patriarchalisches und nicht-matriarchalisches Sozial-System spiegelt sich in der Religion, Mythologie und Folklore....

Die wiederholten Störungen und Einfälle von Kurgan-Populationen ( die ich als Proto-Indo-Europäer ansehe) setzte dieser Kultur des Alten Europa ein Ende."

"Die Religion der Göttin war universal. In allen Regionen der Erde finden wir vor dem patriarchalen Stadium die Göttin".( Video 1990)

Diese Auffassung kommentiert Scheaffer pauschal wie folgt:

" Kein ernst zu nehmender Wissenschaftler würde eine solche Behauptung verteidigen. Solche simplistischen 1900-Theorien über "Stadien der Zivilisation" wurden schon vor langer Zeit aufgegeben."

Damit wissen wir Bescheid: Wer als ernst zu nehmender Wissenschaftler gelten will, muss die längst überholten, "einfältigen" Auffassungen von Gimbutas mit allem Nachdruck ablehnen.

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Wissenschaftler, welche die Befunde , es habe in prähistorischer Zeit die Vorstellung von einer "GÖTTIN" gegeben, mit allen Mitteln bekämpfen, gibt es so manche , und diese Verfechter eines naturgegebenen Patriarchats haben es geschafft, ihren Glauben zur "Herrschenden Lehre" aufzumöbeln.

Bemerkenswert: Sheaffer zitiert einen Gimbutas-Text, in welchem sie bereits klarstellt, dass sie nicht den häufig begangenen Fehler macht, vor-patriarchale Sozialverbände in einem platten , und wissenschaftlich unhaltbaren, Schematismus für "matriarchal" zu halten. Sheaffer hätte dies wichtige Faktum also aufgrund des von ihm ausgewählten Zitates erkennen können. Der Inhalt seines Blogs indessen belegt, dass er unfähig oder unwillig war, dies zu verstehen; denn -wie viele andere- unterstellt er Gimbutas eine MATRIARCHATS-Ideologie (vgl. besonders Ziff. 1 und Ziff. 10 ), er arbeitet also wahrheitswidrig, wie ich zeigen werde.

Ein Blick auf die von Sheaffer angeführten KRITIKER, deren Aussagen mindestens 15 Jahre alt sind, ergibt folgendes::

(1) 11.6.1989 Los Angeles Times Magazine: "The Goddess Theory".

Ermutigt durch die etablierte "akademische" Wissenschaft spricht Autor Jaques Leslie das Todesurteil über Marija Gimbutas: 

"Gimbutas Theorien sind so weit hergeholt, dass sie es nicht einmal verdienen, auch nur in Betracht gezogen zu werden."

Der Journalist beruft sich auf fünf AKADEMIKER, Professoren an US-Universitäten: Edgar C. POLONE (Texas), Kees BOLLE (UCLA), Ruth TRINGHAM ( Anthropologin fürs Neolithikum in Berkeley) und den Briten I. HODDER (Univ. Cambridge).

HODDERS apodiktisches Urteil: 

"Dass Gimbutas die weiblichen Figurinen als "Göttin" interpretiert, ist unhaltbar."

Dass Hodder sein Urteil der "Unhaltbarkeit" nicht begründen oder belegen muss, versteht sich von selbst; denn er spricht ja nur das aus, was in der "akademischen Welt" neuerdings geglaubt und gesagt wird und werden muss.

RUTH TRINGHAM wird mit folgender Kritik an Gimbutas zitiert:

Tringham sei weder davon überzeugt, dass die weiblichen Figurinen Göttinnen darstellen, noch davon, dass die neolithischen Kulturen von Frauen beherrscht worden seien. ("dominated by women").

Was die Ablehnung der Göttin angeht, stimmt sie Hodder zu. Bemerkenswert aber ist die Aussage " dominated by women": Damit wird Gimbutas etwas unterstellt, was sie nie gesagt hat. 

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GIMBUTAS HAT NIE BEHAUPTET, DIE NEOLITHISCHEN KULTUREN (AUCH NICHT DAS "ALTE EUROPA") WÄREN VON FRAUEN BEHERRSCHT WORDEN. 

Eine tödliche Unterstellung Tringhams , die durch den gesamten Blog aufrecht erhalten wird. Dabei hat Gimbutas immer wieder das Gegenteil betont: So wie sie in der eingangs von Sheaffer wiedergegeben Textstelle von " non-patriarchal and non-matriarchal social systems" schreibt, so hat sie sich auch später immer ausdrücklich gegen die Annahme ausgesprochen, es habe je ein "MATRIARCHAT", d.h. von Frauen BEHERRSCHTE Kulturen, gegeben. Von einer solchen Interpretation und von der Verwendung des Terminus Matriarchat hat sich Gimbutas ausdrücklich distanziert, "weil es weit entfernt von der Realität des Alten Europa ist" (so "Die Zivilisation der Göttin" (1991) S. 324). 

(Zu diesem Thema im einzelnen auch: *"Die Erfindung der Götter", S. 376 ff.)

TRINGHAM hat damit Gimbutas wahrheitswidrig als "Matriarchats-Ideologin" abgestempelt, und mit diesem falschen Etikett wird sie in Zukunft immer wieder versehen , wenn es ihren ideologisch voreingenommenen Gegnern um Gimbutas´ Herabwürdigung geht. Zur bedenklichen Rolle von Ruth Tringham siehe auch unten Ziff. 8.

Mit einem solch dürftigen Pamphlet hatte die Los Angeles Times im Jahr 1989 Gimbutas zum Abschuss freigegeben .

(Die gleiche Leichtfertigkeit oder intellektuelle Unredlichkeit, die Tringham dem kritischen Leser hier vor Augen führt, werden 1996 Roeder/Hummel/Kunz in ihrem Buch "Göttinnendämmerung" wiederholen: auch sie behaupten wahrheitswidrig, Gimbutas habe die Theorie eines "Matriarchats" im Alten Europa vertreten. Zur Kritik an diesem Buch vgl. meine Rezension * S. 373 ff.)

In medialem Wiederholungszwang folgte die Washington Post:

(2.) 7. 1. 1990: Washington Post : "Did Goddess Worship mark ancient Age of Peace?"

Der Autor Jay Matthews macht sich lustig über folgenden Satz von Gimbutas:

"Nach und nach haben wir uns zu patriarchalen Kriegergesellschaften entwickelt. Wir beherrschen die Natur, wir fühlen nicht, dass wir selbst der Natur angehören. Die Kriegergesellschaft in Europa geht zurück bis zur Eroberung Europas durch die Indoeuropäer".

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Die "akademischen" Gewährsleute:

Brian FAGAN ( Univ. California) hält die These für "ziemlich kontrovers" und " überholt" . Die Annahme eines friedlichen und matrifokalen ( "female centered") Europa stamme aus dem vorigen Jahrhundert und sei jetzt aus einer feministischen Perspektive wiederbelebt worden

Margeray CONKLEY (Berkeley-Anthropologin) ist ebenso skeptisch und noch eine weitere "Wissenschaftlerin, die nicht genannt werden möchte" , hat für diese armen " Goddess Groopies" nur ein mitleidiges Lächeln übrig.

Nichts Substantielles also in der "POST", aber Fortsetzung des Rufmordes an Gimbutas.

(3.) 13.2.1990: New York Times: " Idyllic Theory of Goddess creates Storm".

Der Journalist Peter Steinfeld, der den Sturm als Stürmer verstärken möchte, erklärt uns, dass Gimbutas' "Sprache der Göttin" Feministinnen anspräche, weil die Vorstellung einer Vergangenheit, in der eine Göttin verehrt worden wäre, den Glauben ermögliche an eine zukünftige gewaltlose, "erd-zentrierte" Welt, in der sexuelle Gleichheit gegeben sei.. Er beruft sich wiederum auf die akademische Kompetenz von Ruth TRINGHAM, die wir ja schon in der Los Angels Times kennen gelernt haben und ferner auf Linda ELLIS (Univ. San Francisco), Bernard WAILES (Univ. Pennsylvania) und auf David ANTHONY(Anthropologe Hartwick College).

WAILS meint: Gimbutas Schlussfolgerungen beruhen nicht auf Argumenten. " Most of us tend to say: Oh my God, here goes Marija again".

Welch stringentes wissenschaftliches Argument ! und wie verräterisch das "My GOD".

ELLIS weist ihre Theorien zurück indem er meint : 

 "Gimbutas geht zu weit". 

Auch ein durch und durch wissenschaftliches Argument.

ANTHONY ist der einzige , der einen halbwegs, aber nur halbwegs zutreffenden Einwand vorbringt:

"Die Kulturen des Alten Europa bauten befestigte Siedlungen, was darauf hinweist, dass es Kriege gegeben haben muss". 

Aber Gimbutas hat in ihrem Werk durchaus darauf hingewiesen , dass bereits die BANDKERAMIKER, die ab 5.500 v. Chr. Europa neolithisch kolonisierten, bäuerliche Rinderhirten waren, die nicht davor zurückschreckten, Menschen des Alten Europa, die sich der beabsichtigten Landnahme widersetzten, mit Stein-Äxten die Schädel einzuschlagen.

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Sie waren es auch , die ab 5.000 v. Chr. ihre Siedlungen befestigten. Es sind die ersten Spuren kriegerischer Gewalt, die bisher archäologisch belegt sind. (so Gimbutas aao. s. 365). ( vgl.ferner dazu im einzelnen : "Die Erfindung der Götter" , S. 320 ff. ) . 

Das nicht-kriegerische "Alte Europa" des Paläolithikums und des Epipaläolithikums gab es also nur bis zur Immigration der Bandkeramiker, die als erste Einwanderer den Frieden störten. Dies hat Gimbutas durchaus richtig gesehen und beschrieben. Nachgewiesen ist heute ferner, dass die Kurgan-Populationen, die als organisierte Equiden-Streitwagen-Krieger nach Europa eindrangen, erst wirklich kriegerische Gesellschaften begründeten. (vgl. Die Erfindung der Götter, S. 394 ff. ) 

Was also die Friedfertigkeit des "Alten Europa" angeht, so hat Gimbutas durchaus die entsprechenden Einschränkungen gemacht. Das Verdikt des Herrn Steinfeld, Gimbutas verbreite eine "WALT DISNEY-VERSION" des Alten Europa ist also ohne Beleg und falsch.

Wenn aber jemand erst eimal zum Abschuss frei gegeben ist, galt und gilt für die Kleingeister, die ihre Namen auch gern in der Presse gedruckt sehen , ja immer das Motto : "Wer fällt, den soll man auch noch stossen".

(4.) 9.6.1990 : The Women's Review of Books.

Ruby ROHRLICH sei eine "feministische Wissenschaftlerin, die die zweifelhafte Behauptung aufstellt, Kreta sei ein Matriarchat gewesen" lässt uns Herr Scheaffer wissen, um auf diese Weise deutlich zu machen, dass selbst solche ignoranten Wissenschaftlerinnen wie Frau Rohrlich, dennoch wesentlich klüger sind als Gimbutas. Sie schreibt nämlich (wohl um nicht aus der "akademischen Welt" ausgestossen zu werden):

"Gimbutas schlägt eine simple, ja simplistische Theorie vor, dass Invasionen durch gewalttätige patriarchalische Indo -Europäer die menschliche Gesellschaft radikal verändert hätten".

Genau dies ist heute erwiesen als zutreffende Feststellung, die Gimbutas für Europa machte und die durch spätere archäologische, historische und genetisch-linguistische Forschungsergebnisse erhärtet worden ist. Rohrlichs Kritik erweist sie also als Ignorantin. 

Vielleicht hat Rohrlich Gimbutas übel genommen, dass sie keine Matriarchats-Verfechterin ist, wie Rohrlich selbst : denn sie greift zu einem weiteren bemerkenswerten und sachfremden Argument, um Gimbutas am Zeug zu flicken: Rohrlich führt als "Beweis" für ihr Verdikt an:

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" Der berühmte Archäologe Leonard WOOLE hat nachgewiesen, dass in Sumer, der ersten Zivilisation der Alten Welt, die frühesten dynastischen Herrscher Menschenopfer praktizierten. Andere haben ähnliche Funde gemacht. Gimbutas scheint Menschenopfer als Erhärtung und nicht als Widerlegung ihrer These zu verstehen. Sie sagt dazu, dass solche Opfer die Lebenskräfte dadurch stützen sollten, dass deren Energie auf die Opfernden überginge."

Dies beweist nun einen erschütternden Mangel an Intelligenz der Frau ROHRLICH.

Gimbutas hat Recht: Durch diesen Befund wird ihre These erhärtet. Warum sollte Gimbutas die sogen. "Menschenopfer", die patriarchalische Krieger-Könige im sumerischen Ur dadurch gefordert haben, dass Untergebene ihrem zum Gott stilisierten König ohne physische Gewalt ins Grab folgten, als "Widerlegung" ihrer Theorie von einem vor-patriarchalen Europa ohne Menschenopfer ansehen, wo es doch ganz offensichtlich eine Bestätigung ihrer These ist, dass solche Opfer patriarchalische Herrscher-Gesellschaften voraussetzt, deren Motive und Denken sie zutreffend erklärt.

Dass ROHRLICH den von ihr vorgebrachten Einwand nicht als völlig unschlüssig, ja geradezu widersinnig, erkennt, zeigt wiederum, dass "in der AKADEMISCHEN Welt" oft unzulänglich nachgedacht wird, ja das patriarchalische Denkhemmungen sich in den Köpfen ausgebreitet haben und dass jedes Mittel recht ist, um jemanden zu erledigen, der die Gotteslästerung begeht, die vormalige Verehrung einer "GÖTTIN" anzunehmen.

(5.) 1991 : "The Pagan Religions of the Ancient British Isles".

Autor Ronald HUTTON belehrt uns, dass im späten 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wissenschaft, irregeleitet durch die vielen "VENUS-Figurinen", noch die Auffassung vertreten hätte, dass die prähistorischen Völker an eine universale GÖTTIN geglaubt hätten. Ein solcher Glaube sei aber bereits 1968 und 1969 vollständig zum Einsturz gebracht worden von zwei britischen Archäologen ( die Hutton als "Prähistoriker" bezeichnet.): 

Peter UCKO mit seiner Monographie : " Antropomorphic Figurines of Predynastic Egypt and Neolitic Crete" und Andrew FLEMING mit einem Aufsatz " The Myth of the Mother Goddess" in der Zeitschrift "World Archaeology".

"Im akademischen Bereich war damit das Konzept einer neolithischen Grossen Mutter endgültig zusammengebrochen" belehrt Hutton seine LeserInnen.

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Wir hören mit Erstaunen von zwei Heroen, die das "alte" akademische Lehrgebäude, in dem die Ur-Göttin ihren Platz gefunden hatte, mit nur zwei Veröffentlichungen zum Einsturz bringen konnten. Schauen wir uns deshalb die Argumente genauer an, die für diese epochale Kopernikanische Wende in der Kulturwissenschaft vorgebracht worden sind:

Zur 1. "Attacke" (Wortwahl Hutton) des Heroen UCKO:

Die sogen. VENUS-Figurinen seien bisher überinterpretiert worden. Viel eher als "Göttinnen" könnten und sollten sie als PUPPEN für Kinder interpretiert werden.

Was ist zu einer solch kühnen Neu-Interpretation zu sagen?

Da jene Venusfigurinen ja oft stark ausgeprägte weibliche Geschlechtsmerkmale haben, fragt sich, warum die Menschen des Paläolithikums ihren Kindern als Spielzeug etwas in die Hand geben sollten, das, bis heute, viele derjenigen Wissenschaftler, die die Verehrung einer vor-neolithischen oder neolithischen Göttin leugnen, als "PORNOGRAPHISCH" bezeichnen. Dennoch hat Uckos Puppen-Idee immer mehr Anhänger gefunden und dass es sich bei jenen "Venus-Figurinen" wahrscheinlich um "SEXPUPPEN" gehandelt habe und nicht um Kinderpuppen, ist heute die "herrschende Lehre" in der "akademischen Welt" , wie uns der SPIEGEL und die "Göttinnendämmerung" von Roeder/Hummel/Kunz belehren. (vgl. dazu im einzelnen "Die Erfindung der Götter", S. 381 ff. und S. 373 ff.)

Ucko weist ferner darauf hin, dass auch das "SCHAMDREIECK", die sogen. Pudenda, nicht als Symbol für das weibliche Geschlechtsorgan interpretiert werden könne, sondern viel eher als "LENDENSCHURZ".

Auch diese Aussage beweist Uckos kulturhistorische Unkenntnis: Er weiss nicht, dass jenes "Schamdreieck", besser "SCHOSSDREIECK", bereits in den paläolithischen Kulthöhlen immer wieder als Symbol auftritt, und hätte er Samuel Noah Kramer rezipiert, dann hätte er lernen können, dass die Pudenda, eben jenes "Schamdreieck" , als Vulva-Symbol in der archaischen Keilschrift der Sumerer noch als Piktogramm verwendet wird für "FRAU".

Es ist immer das Gleiche: Mangelnde Kenntnisse führen zu Fehlurteilen.

Zur 2. Attacke :

FLEMING stellt lapidar fest:

" Es gibt absolut keine Beweise dafür, dass weibliche Figurinen als "GÖTTIN" interpretiert werden können."

Eine falsche Behauptung: Es gibt für kulturwissenschaftlich gebildete Wissenschaftler durchaus eine ausreichende Menge von Belegen und Indizien. Denjenigen, denen diese Kenntnisse fehlen, sind solche Beweise selbstredend unbekannt. 

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Mit Flemings unübertrefflichen Argument fühlt sich Buchautor HUTTON so vortrefflich gerüstet, dass er uns wie folgt belehrt:

" DAMIT WAR DAS KONZEPT EINER NEOLITHISCHEN GROSSEN MUTTER IN DER AKADEMISCHEN WELT ZUSAMMENGEBROCHEN."

Und weiter schreibt er :

Als dann 1974 GIMBUTAS ihr Buch " The Goddesses and Gods of Old Europe" veröffentlichte, interpretierte sie erneut in fehlerhafter Weise die ausgegrabenen weiblichen Figurinen als "Göttin" und stellt die durch nichts bewiesene Behauptung auf, dass eine europäische neolithische Balkan-Zivilisation, in der eine Göttin verehrt worden sei, durch patriarchale Invasoren zerstört worden wäre.

Wiederum eine durch kein Argument belegte Kritik, die zudem durch spätere Forschungen als falsch, also einfach aus der Luft gegriffen , erwiesen worden ist .

Ein Lob hat Hutton übrig für den angeblich bekehrten James MELLAART . Hutton schreibt:

"1975 sprach Mellaart in seinem Buch : " The Neolithic of the Far East"( Hutton schreibt wirklich "FAR" statt richtig NEAREast) infolge der Warnung Uckos, die von der akademischen Welt aufgenommen worden war, statt "Göttin" nur noch von "Weiblichen Figurinen", von denen einige auch durchaus "Puppen" sein könnten.

Da jener von Hutton mit Unfehlbarkeit ausgestattete Peter UCKO derjenige war, der als erster das besagte Interpretations-Verbot aufstellte, ein Verbot, nach welchem sogar die sogen. paläolitischen "Venusfigurinen" auf keinen Fall als "Göttin" (immer in Anführungszeichen) interpretiert werden durften, sind die Verlautbarungen seines Nachbeters Hutton besonders bemerkenswert:

Hutton , der schon damit beginnt, dass er den Titel von Mellaarts zweitem Buch falsch zitiert, indem er aus dem " NEAR East" ein "FAR East" macht, hat , wie ich belegen werde, Mellaarts Buch auch gar nicht richtig gelesen; denn er lobt Mellaart zu unrecht. 

Richtig ist das Gegenteil: Mellaart bleibt bei seiner -kulturhistorisch ja durchaus zutreffenden - Interpretation, dass die Menschen in Catal Hüyük eine GÖTTIN verehrten. Schliesslich hatte Mellaart dort nicht nur die weltberühmte, "Göttin auf dem Leopardenthron" gefunden, sondern 33 (!) eindeutig weibliche , meist breitbrüstige Kultstatuetten ausgegraben und an den Wänden der Kulträume , in Verbindung mit Bukranien und Stierschädeln, immer wieder Relief-Figuren mit gespreizten Beinen gefunden, die er auf der Grundlage der Skulpturen als wiederkehrendes schematisches Symbol 

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jener Göttin ansah. Hinzu kam, dass in allen 12 Nah-Ost-Regionen , deren archäologische Befunde Mellaart untersucht hatte, allerorten ganz ähnliche weibliche Statuetten, wie zuvor in Catal Höyük, gefunden worden waren, nämlich in den Regionen Levante, Zagros-Gebiet, Anatolien, Zypern, Mesopotamien, in den Iran-Hochland-Kulturen, in Transkaukasien und Azerbaidjan, in den Transkaspischen Tiefland-Kulturen, den Kulturen der Ägäis, Kretas, des Balkans ( Südost-Europa) bis hin zum südöstlichen Mittelmeer-Raum (Nordafrika, Ägypten):

Ein Gebiet mit über 100 Grabungsstätten, die Mellaart auf S. 283 - 288 akribisch auflistet.

Dieser unbestreitbare kulturgeschichtliche Sachverhalt bringt Mellaart dazu , seinen inzwischen auf den Plan getretenen Gegnern, die ihm das von ihnen erlassene Interpretations-Verbot oktroyieren wollten, wörtlich folgendes entgegen zu halten, was Hutton offensichtlich entweder nicht gelesen hat oder mit Absicht verschweigt . Mellaart schreibt:

" Wer die religiöse Natur jener besonderen Kult-Räume leugnet, steht damit vor der völlig unerklärlichen und nicht plausiblen Annahme, dass die Menschen in Catal Hüyük Masochisten gewesen sein müssten, die ihre Wohnräume so unbequem wie möglich erbaut und eingerichtet hatten, dass sie darin weder sitzen noch schlafen konnten". (aaO. S. 108).

"In den Stuckreliefs an den Wänden jener Kult-Räume erscheint die GÖTTIN immer in anthropomorpher Form, die männliche Gottheit hingegen ist immer nur repräsentiert durch das Symbol des Stiers, seltener auch eines Widders" ( aaO. S. 108).

Hutton liefert uns also ein weiteres hervorragendes Beispiel dafür, wie die Herren Gelehrten der Urvater-Gemeinde "Wissenschaft" betreiben: Von ihnen verlangt "ihre akademische Welt" nicht einmal, dass sie korrekt zitieren.

Voll angekommen ist dies INTERPRETATIONS-VERBOT indessen beim deutschen Archäologen K. Schmidt vom DAI: 

Er versucht, in seinem Göbekli Tepe - Buch ( "Sie bauten die ersten Tempel") das schematische Symbol der Göttin , das als Wandrelief in den Kulträumen Catal Höyüks immer wiederkehrt, als simples REPTIL zu interpretieren . Eine kulturwissenschaftlich unhaltbare Interpretation. ( Vgl. hierzu meine Kritik * S. 358 ff., sowie in diesem Blog meinen Aufsatz: Zur Sozialorganisation der Boviden-Züchter, A. 16.2. ). 

Die von Ucko in die Welt gesetzte neue akademisch abgesegnete Doktrin fordert also, dass trotz der grossen Zahl archäologisch gesicherter "Venusfigurinen", auf keinen Fall mehr in Erwägung gezogen werden darf, dass es sich bei diesen Artefakten in der Vorstellung der prähistorischen 

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Menschen um das Symbol einer "Göttin" gehandelt haben könnte, weil damals ja schliesslich niemand dabei gewesen sei und deshalb auch keine Ahnung haben könne, wie im Jahre 2009 der Ausgräber der "Venus vom Hohle Fels", der Tübinger Archäologe CONARD , offenbar im vorwegeilenden Gehorsam , beteuert. (vgl.meine Anmerkung in diesem Blog "Venus vom Hohle Fels" ).

Eine andere Interpretation der "Venusfigurinen" indessen , darf auch von denjenigen, die damals nicht dabei waren, durchaus vorgebracht werden und findet zunehmend wissenschaftliche Absegnung:

Bei den bisher sogen. "Venus-Figurinen" handelt es sich um eine Art archaischer "pinup-girls" , wie der SPIEGEL jene neue akademische Lehrmeinung beschreibt, um " SEX-PUPPEN" , die sich sexuell unausgelastete Steinzeit-Männer zu pornographischen Zwecken hergestellt hätten. ( zur Kritik vgl. "Die Erfindung der Götter" , S. 381 ff. ) 

Wer eine derartig absurde Meinung vertritt, weiss nichts von der breitbrüstigen "Venus mit dem Horn" in der Kulthöhle von Laussel, die demonstrativ ihre linke Hand auf ihren angeschwollenen Leib legt, weiss nichts von der "Göttin auf dem Leopardenthron" in Catal Höyük und nichts von der Ur-Göttin" der Griechen , der "breitbrüstigen " GAIA. Wer in diesen Göttinnen , wie auch in der "Venus vom Hohle Fels" eine "Sexpuppe" sieht, verrät damit seine mangelhaften kulturhistorischen Kenntnisse und , dem psychoanalytisch geschulten Blick, viel über seine eigenen Phantasien, hingegen nichts über den Gegenstand.

Ich darf davon ausgehen, dass UCKO und FLEMING keine stichhaltigeren Argumente vorgebracht haben, als jene , die HUTTON referiert; denn er hätte sicher nicht darauf verzichtet, die überzeugendsten Argumente seiner Heroen vorzutragen.

Können also Wissenschaftler mit so dürftigen, substanzlosen Argumenten die vorangegangene kulturwissenschaftliche Forschung, z.B. jene des britischen Gelehrten E.O. James "zum Einsturz bringen" ? Was dieser Professor für "Philosophie der Religion " an der Universität London z.B. in seinem Buch "The Cult of the Mother-Goddess. An Archaeological and Documentary Study" an archäologischen und kulturhistorischen Belegen zusammengetragen und publiziert hat, kann mit derartig unbedarften Behauptungen, die sich auf keine stringenten Belege stützen, nicht "zum Einsturz gebracht " werden.

Was aber in Huttons anmassender Kritik deutlich zutage tritt , ist ein postmoderner Minimalismus des Intellekts.

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Zum ersten Mal wurde also 1986/87 von zwei männlichen Wissenschaftlern der Gross-Versuch gestartet, den prähistorischen homo sapiens- Populationen die Fähigkeit der Vorstellung und Verehrung einer Weiblichen Gottheit, einer nährenden und fürsorglichen Göttin alles Lebendigen , abzusprechen.

Die unkritische Begeisterung, mit der deren nicht überzeugend begründeten und nicht belegten Gegenargumente von der, im patriarchalen Denken sozialisierten , "akademischen " Gemeinde aufgegriffen und unbedenklich zu der Weisheit letztem Schluss erklärt wurde, lässt erkennen, wie sehr die "Urvater-Gemeinde" darauf gewartet hatte, die ur-menschliche Vorstellung einer fürsorglichen und fürsorgenden "UR-MUTTER" aus dem Denken zu entfernen. Je mehr nämlich die Vorstellung einer göttlichen Ur-Mutter in Verruf gebracht werden konnte, desto heller konnte die konkurrierende Vorstellung vom "UR-VATER" an Strahlkraft gewinnen. Den Kritikern ist anzumerken, wie sehr sie bemüht sind, die Vorstellung des, ihnen selbst so vertrauten, VATER-Gottes zu verschonen.

Dass die LEUGNUNG der GÖTTIN-VORSTELLUNG vor allem jenem Zweck dienlich ist und dienen soll, ergibt sich insbesondere aus der Kritik von Philip G. DAVIS. ( s. unten Ziff. 7 ).

(6.) 3.8.1992: The New Republic: "The Twilight of the Goddes".

Mary LEFKOWITZ und Andrew W. MELLON können sich auf die lapidare Feststellung beschränken:

" Gimbutas verlässt sich auf Spekulation und Imagination: Wie sonst könnte jemand entdecken, was die tausende von Objekten für ihre Schöpfer und damaligen Bewunderer bedeutet haben könnten".

Damit ist klargestellt, dass , wenn es um diesen speziellen Themenkreis , um die "GÖTTIN" , geht , kulturhistorische und archäo-mythologische Befunde und Erkenntnisse nicht zur Interpretation herangezogen werden dürfen, was vor allem diejenigen befriedigt, die über solche historischen Kenntnisse nicht verfügen.

Dies generelle INTERPRETATIONS-VERBOT, wie ich es nenne, hat jeder zu beherzigen ! 

Das tat Uwe WESEL schon 1980 , denn er schreibt :

"Dass man aus den vielen Funden kleiner weiblicher Statuetten keine Schlüsse ziehen kann, ist , wohl zu recht, allgemein verbreitete Meinung". ( Wesel aaO. S. 29 ) ,( vgl.auch "Die Erfindung der Götter" , S. 118). 

Dieser inzwischen "allgemein verbreiteten Meinung" hat sich im April 2009 auch der Ausgräber der "Venus vom Hohle Fels" unterworfen. Er erklärt SPIEGEL- online :

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 " Ich war nicht da vor 40.000 Jahren und unterm Strich habe ich keine Ahnung". (vgl. dazu in diesem Blog: "Venus vom Hohlefels"

Wenn es um eine Göttin geht, ist in der "akademischen Welt" immer vollständige Ahnungslosigkeit vorgeschrieben, falls es indessen um die Interpretation eines Schlag- und Stoss- Werkzeuges als "PHALLUS" oder um das Auffinden eines urväterlichen Gottes geht, gelten ganz andere Vorschriften für das Denken , auch wenn man nicht dabei war. (vgl. dazu in diesem Blog: "Wo ist der Phallus des Urvaters?")

 (7.) 25.7.1994: Insight Magazine

In einem Aufsatz: "Sophia and Feminist Theolgy" kritisiert Stephen Goode folgenden Text von AL GORE in dessen Buch " Earth in the Balance": 

"Eine wachsende Zahl von Anthropologen und Archäomythologen bringen Argumente dafür vor, dass im prähistorischen Europa und in vielen Teilen der Welt, der Glaube auf die Verehrung einer Erd-Göttin gerichtet war, die als Quelle allen Lebens angesehen wurde..."

Goode beruft sich auf Philip G. DAVIS (Prof. für Religiöse Studien, Univ. Prince Edward Island , Canada ) , der in ACADEMIC AFFAIRS die Auffassung vertritt, , dass die Annahme einer Göttin ("Goddess Claims") bestenfalls äusserst zweifelhaft sei und es gäbe dafür nur "sehr geringe Evidenz". Aber , so wörtlich , "selbst dort, wo es Hinweise auf die Verehrung einer Göttin in frühen Gesellschaften gibt ( was selten ist), so waren die Göttin-zentrierten Gesellschaften gewalttätiger als die patriarchalen Gesellschaften. Die Behauptung, dass Spiritualität, die auf eine weibliche Gottheit fokussiert ist, notwendigerweise zu Frieden, Harmonie und Gleichheit führe, kann eindeutig widerlegt werden".

Ein bemerkenswerter Text: Die im bisherigen Verlauf vorgebrachte Behauptung, die vielen prähistorischen "Venusfigurinen" dürften unter gar keinen Umständen als "GÖTTIN" interpretiert werden, und es habe in prähistorischer Zeit nie die Verehrung einer Göttin gegeben, wird vom Herrn Professor für "Religiöse Studien" plötzlich eingeschränkt: Es habe , wenn auch sehr vereinzelt, durchaus solche "GÖTTIN-VEREHRUNG" gegeben. Wo das allerdings der Fall war, hätten fürchterliche Verhältnisse geherrscht ; denn die Göttin-Gläubigen seien viel gewalttätiger gewesen, als jede patriarchale Gesellschaft.

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Herr Professor Davis scheint seinen BACHOFEN gut gelesen und verinnerlicht zu haben, der ja bekanntlich zu dem Schluss gelangte: :

"Mit Milde ist des Mannes Herrschaft , mit Grausamkeit die des Weibes gepaart." ( Bachofen aaO. S. 175 ). Das heisst : Der fiktiven, nur mythographierten, Herrschaft des Weibes wird vom Patriarchat Grausamkeit angedichtet, während die reale Männer-Herrschaft mit Milde verklärt wird. (vgl. auch "Die Erfindung der Götter" , S. 487 ff.)

Welche "Göttin-zentrierten Gesellschaften" so überaus gewalttätig waren, behält Davis zunächst für sich. Da mir solche Gesellschaften nicht bekannt sind, hätte ich dies gern gewusst. Angebliche " Belege", wenn auch unzulängliche, wird er erst 1998 nachliefern.

Da Davis indessen zu den sogen. Hoch-AKADEMIKERN gerechnet wird, ist er , in den Augen der Gimbutas-Kritiker , von solcher Beweislast befreit.

Auf jeden Fall ist ihm anzumerken, dass Al Gore , Gimbutas und all die anderen , seinem HERR-Gott zu nahe getreten sind: Denn daran, dass unser Herrgott und Jesus Christus das Monopol des Friedens und des "Friede sei mit euch" haben, darf nicht gerüttelt werden, und das weiss schliesslich jeder, auch die "Akademiker" höchsten Grades.

Wer also annimmt und behauptet, eine "GÖTTIN" könne den Menschen den FRIEDEN gebracht haben, ist ganz offensichtlich einem IRR-Glauben verfallen.

Der Patriarchats-Blogger R. Sheaffer fügt später hier noch ein letztes "up-date" an: "Professor Davis hat seine Kritik noch erweitert in seinem 1998 erschienenBuch: "GODDESS UNMASKED" ("Göttin blossgstellt").

Dieses Buch hat der Autor des Blogs, Robert SHEAFFER, in der Zeitschrift Sceptical Inquirer (May/June 1999) unter dem Titel "The Goddess Has No Clothes" selbst besprochen ( und den Hinweis darauf 1999 als letztes up-date seines Blog angefügt. Seitdem ist Ruhe.)

Sheaffer macht immerhin folgendes deutlich: Buchautor DAVIS, Professor für "Religiöse Studien" ist Wissenschaftler und "ein gläubiger und praktizierender Christ". Leidenschaftlich wendet sich Davis gegen die "neu-heidnischen Feministinnen", die unsere Gesellschaft mit ihrer Göttinnen-Ideologie infizieren und gegen diese "New Age - Überinterpretationen einer Göttin-zentrierten Gesellschaft". Er wendet sich gegen die Matriarchats-Ideologien, und gegen Bücher wie "The First Sex " von Elizabeth Gould Davis (1971), "The Paradise Papers/ When God was a Women" von Margeret Murrey und Robert Graves ( 1976), "The Chalice and the Blade" von Riane Eisler (1987) u.a. Mit Recht kritisiert Davis zwar diese Märchen vom "paradiesischen MATRIARCHAT" aber er macht -und dies zu Unrecht !- Gimbutas dafür verantwortlich, dass sie von diesen Matriarchats-IdeologInnen aufgegriffen wurde. Dabei ist klar: KeinE AutorIN ist dafür verantwortlich, was unverständige Leser aus ihren Texten machen.Unhaltbar ist dagegen Davis 

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Behauptung, für eine GÖTTIN gäbe es in den alten Zivilisationen ( ancient civilizations) keine Anhaltspunkte, sondern diese Vorstellung stamme erst aus der Französich-Deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts. Richtig ist: Es gab in den alten Zivilisationen durchaus die GÖTTIN : Sargon von Akkad musste , in Ermangelung eines hochrangigen männlichen Gottes , seine militärischen Siege über die Sumerer, 2.300 v.Chr., ISHTAR danken, die den Titel führte " Starke Königin der Erd-Götter und Höchste unter den Himmelsgöttern". Nur dieser Obersten Gottheit konnte der König seinen Sieg verdanken , und deshalb blieb ihm nicht anderes übrig, als dieser überkommenen Grossen Mutter-Göttin auch die Insignien einer KRIEGS-Göttin hinzuzufügen. Aber Sargons Ishtar ist die Göttin einer patriarchalen Kriegergesellschaft , sie ist also patriarchalisch kontaminiert.

Das gleiche gilt für die Göttin KALI, auf die sich Davis ausdrücklich bezieht , um zu beweisen, dass in jener "Kasten- Gesellschaft" und in "Frauen-dominierten Gesellschaften" ("female dominated societies") die "Göttin" keineswegs friedliebend und friedlich gewesen seien. 

Richtig erkennt Davis, dass Kalis blutdürstige Grausamkeit erst in der "Kastengesellschaft" auftritt und nachweisbar ist, d.h. erst unter der Herrschaft der indo-europäisch-arischen Streitwagen-Krieger, von denen ja das Kastenwesen ( die "Varna") erst eingeführt wurde , und die ihren militärischen Sieg über die indischen Rinderbauern ihrem Kriegs- Gott Indra zuschrieben. Hier zeigt sich, dass Davis seine Schlüsse auf den Charakter der Göttin aus der arischen Streitwagen-Kriegergesellschaft zieht , die ja keineswegs eine "frauen-dominierte " Gesellschaft war, wie Davis mit erschreckender Unwissenheit behauptet.

Die Argumente gehen also kunterbunt durcheinander und sind absolut nicht geeignet, die Existenz einer "neolithischen oder prä-neolithischen " Vorstellung von einer Göttin oder "Grossen Mutter" zu widerlegen.

Davis übersieht: Ähnlich wie die ägyptische Göttin HATHOR, die liebevolle und fürsorgliche MUTTER ( auch des Horus) erst in einem späteren ( post-ramessidischen !) "Mythos von der Himmelskuh" zur destruktiven Göttin und blutdürstigen Furie von den priesterlichen Mythographen umgeschrieben wird , ( vgl. dazu "Die Erfindung der Götter", S. 435 ff. , speziell S. 480 ), erging es unter dem Einfluss der brahmanisch-patriarchalischen Priester auch der Göttin Kali. Nur dem Historiker, speziell dem Mythen-Historiker, dem Archäomythologen, erschliessen sich derartige Umdeutungen und theologische Veränderungen, geschichtsfeindlichen Strukturalisten hingegen und Apologeten des Primats eines Vatergottes bleiben sie unerkennbar oder werden von ihnen , bewusst oder unbewusst, verleugnet. Für den Historiker tritt klar zutage, wie mit der militärischen Erstarkung der patriarchalen Krieger-Gesellschaften, auch den Göttinnen des Pantheons blutdürstige Eigenschaften zugeschrieben werden.

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(8.) 1995 : "Feminism in the Academy". 

 Die Anthropologinnen M.W. CONKLEY (Pläolithikum) und Ruth E. TRINGHAM (Neolithikum), die diese Gelegenheit zu einem unspezifizierten Seitenhieb auf die Historikerin Gerda LERNER ( The Creation of Patriarchy) nutzen , schreiben in einem Aufsatz: "Archaeology and the Goddess" folgendes:

" Die sogenannten 'GÖTTINNEN' des Nahen Ostens, und die sogenannte 'Fruchtbarkeitsreligion' ist nichts anderes als rituelle Prostitution, der Verkauf weiblicher Körper, um die Kasse des Tempels dieser Fruchtbarkeitsgottheit zu füllen".

Mit dieser , man darf getrost sagen, dümmlichen Aussage geben die "Akademikerinnen" zu erkennen, dass sie nichts über die Ursprünge und Bedeutung der "Heiligen Hochzeit" wissen , und das obwohl sie sich allein schon durch die Rezeption der Arbeiten von Henry Frankfort, (Kingship and the Gods) , E.O. James (The Cult of the Mother-Goddess) und S.N. Kramer (The Sacred Marriage Rite) hätten die notwendigen kulturhistorischen Kenntnisse aneignen können. Dort hätten die Autorinnen lernen können, welche herausragende Rolle die Göttin und ihre Hohepriesterin im Fruchtbarkitsritual der Heiligen Hochzeit zu sumerischer Zeit, im frühdynastischen Ägypten, in der akkadischen und vielen anderen Kulturen spielte.

Ich stehe nicht an zu sagen, dass es mich erschüttert, dass frau mit so mangelhaften Kenntnissen Professor der "Anthropologie" werden und bleiben kann. Die Kenntnis- und "Ahnungslosigkeit" ist in der Tat bestürzend. 

TRINGHAM gehörte ja schon 1989 zur Avantgarde der GÖTTIN- Leugnerinnen ( s. oben Ziffer 1 ).

(9.) 1995 : " Nationalism, Politics and the Practice of 

Archaeology"

In diesem Buch verweist Sheaffer auf einen Beitrag des Anthropologen David. J. ANTHONY ( vgl. oben Ziff. 3 ) mit dem Titel : "From Nazi and eco-feminist prehistoric ideology and empiricism in Indo-European archaeology".

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Anthony, den wir schon oben ( Ziff. 3 ) mit einem Einwand in der NYT. kennengelernt hatten, wiederholt fünf Jahre später in einem Buchbeitrag seinen Hinweis : " In Europa gab es bereits im Chalkolithikum Anzeichen von Gewalt und befestigte Siedlungen", worauf ja auch Gimbutas ausdrücklich hingewiesen hat. (vgl. oben Ziff. 3) Dennoch greift Anthony jetzt zu einem so unsäglich platten Argument, mit dem er sich selbst disqualifiziert: 

" Gimbutas macht das genaue Gegenteil der Nazis: Während die Nazis die indo-europäischen Arier zu Kulturheroen stilisierten, so dämonisiert Gimbutas sie umgekehrt zu patriarchalen Gewalttätern. Das eine ist so falsch wie das andere".

Dass die Arier mit pferde-bespannten Streitwagen bewaffnete , kriegerische, Eroberer Indiens waren und die dort ansässigen Rinderbauern unterwarfen und unter ihre Herrschaft brachten, ist ja nachgewiesen und unbestritten. Ob man solche Krieger von der "Gewalttätigkeit" freisprechen kann, wie Anthony es tut, ist beschönigend und historisch unhaltbar. Für die Nazis war die kriegerische, gewalttätige Art der arischen Indo-Europäer selbstredend kein Mangel, sondern zeigte eher, dass sie die "geborenen Herren" waren. 

Wie Anthony zu der pauschalen Behauptung kommt, die, ebenfalls als Streitwagen-Krieger nach Europa einfallenden, indoeuropäischen Kurganvölker seien (anders als die Arier !) nicht gewalttätig gewesen, bleibt unerklärt und unerklärlich; denn schliesslich waren die nach Griechenland einfallenden Achaier keineswegs gewaltlos und die auf sie folgenden multitribalen DORER noch weniger. Durch seinen platten "NAZI-Vergleich" verlässt er jedenfalls den Boden der Wissenschaft. Aber er hat Gimbutas und Nazis in einem Satz zusammen gebracht, auch wenn er die Position von Gimbutas ausdrücklich als ANTI- NAZI beschreibt.

(10.) " The politics of women´s spirituality. Essays on the rise of spiritual power within the feminist movement" . Hsg.: Charlene SPRETNAK , N.Y. 1982

Sheaffer zitiert aus einem Text dieser Veröffentlichung von Sally R. BINFORD

" Are goddesses and matriarchies merely figments of feminist imagination ? " ( Sind Göttinnen und Matriarchate lediglich Erfindungen feministischer Imagination ?) Sie schreibt:

"Der fundamentale Glaube an den Niedergang des Matriarchats und den Sturz der Mutter-Göttin trägt nur zur Verwirrung und Desinformation bei".

Es wird sich zeigen, dass es gerade Sally Binford ist, die mit diesem Aufsatz zu "Desinformation" und Verwirrung" beiträgt: 

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Alles was Binford schon 1982 über die Nicht - Existenz historischer Matriarchate schreibt , ist zutreffend. Allerdings erregt schon der Titel Besorgnis: Was beabsichtigt die Autorin mit dem unlogischen Junktim von Göttin UND Matriarchat ? Wenn sich die Annahme eines gesellschaftlichen Matriarchats als unhaltbar erweist, wie sollte daraus folgen, dass also auch die Annahme der Verehrung einer Göttin unhaltbar ist ? 

Der entscheidende Gedanke, dass es die Vorstellung und Verehrung einer Göttin auch in nicht-matriarchalen, ( "non-matriarchal" wie Gimbutas ausdrücklich hervorhebt) Sozialverbänden gegeben haben könnte ( und nachweislich gegeben hat) , wird offensichtlich von der Autorin gar nicht erwogen. Ein schwerwiegender Denkfehler, der häufig begangen wird: " Wenn ein Sozialverband nicht patriarchalisch organisiert ist, muss er matriarchalisch sein." 

Sheaffer stellt Binford als marxistisch-feministische Anthropologin vor. Er denkt, er könne mit dieser Kritik von links Gimbutas besonders hart treffen. Durch die Wiedergabe dieses Artikels erweckt Sheaffer -gezielt- den Eindruck, als hätte Gimbutas die Belehrung nötig, dass die Vorstellung von einem real existierenden Matriarchat, ein Phantasieprodukt ist. Wahrscheinlich handelt der Blogger unter dem Eindruck von Ruth TRINGHAM, die jene gravierende Desinformation in die Welt gesetzt hat, Gimbutas habe behauptet, die Sozialverbände im Alten Europa seien von Frauen BEHERRSCHT gewesen" ( " DOMINATED by women") (s. oben Ziff. 1). Da Sheaffer selbst einen Gimbutas-Text zitiert, in dem diese ausdrücklich non-matriarchal schreibt (s. oben ), hätte er die Haltlosigkeit seiner Position erkennen können , wenn er nicht einem ideologischen Vorurteil gefolgt wäre, was dadurch offenbar wird.

Gimbutas weiss, wie ihre Veröffentlichungen belegen, genau, dass MATRILINEARITÄT eines Verwandtschaft-Systems und MATRILOKALITÄT der Exogamie-Praxis nicht zu "matriarchalen Gesellschaften" führen, sondern allenfalls zu matrifokalen .

Binford hat das ebenfalls verstanden. Tringham, Sheaffer und andere scheinen diese soziologischen Begriffsunterschiede nicht zu kennen; ein Armutszeugnis. Sie arbeiten deshalb mit einem unzulänglichen Begriffs-Instrumentarium und gelangen damit zu Trug- und Fehlschlüssen, unterstellen Gimbutas etwas, was diese nie behauptet hat .

Wie falsch und wissenschaftlich unhaltbar ihr Junktim ist, hätte Binford erkennen können, wenn sie u.a. nur die Studien von S.N. Kramer über die grosse Verehrung der sumerischen "Göttin des Himmels und der Erde" INANNA rezipiert hätte , oder die archäologischen Studien von E.O. James ("The Cult of the Mother-Goddess") über den älteren neolithischen und vor-

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neolithischen Göttinnen-Kult, oder die Arbeiten von Henry Frankfort ("Kingship and the Gods"). Dann hätte sie lernen können, dass die dort beschriebenen GÖTTINNEN-KULTE keineswegs mit einem Matriarchat verbunden waren, wie sie es irrig voraussetzt.

Ihr Denkfehler: Aus der offenkundigen Tatsache, dass das Patriarchat die Vorstellung eines männlichen Pantheonchefs, eines HERRN oder omnipotenten Vater-Gottes, hervorgebracht hat und ein Junktim zwischen dieser Theologie und dem Patriarchat besteht, kann und darf logischerweise nicht geschlossen werden, dass folglich die Verehrung einer "GÖTTIN", d.h. einer Gottheit weiblichen Geschlechts, -in banal-schematischer Umkehrung- ein "MATRIARCHAT" voraussetze. Diesen Denkfehler begeht Binford mit ihrem Junktim, während besser gebildete Wissenschaftlerinnen wie Marija Gimbutas, Gerda Lerner ( "The Creation of Patriarchy") und andere, einer solch irrigen Auffassung ausdrücklich entgegen getreten sind.

Wegen des wissenschaftlich unhaltbaren Junktims von Göttinnen-Kult und Matriarchat, ist auch dieser Artikel als Gimbutas-Kritik ohne Substanz.

FAZIT: 

Der Blog, wie auch die hier wiedergegebenen Quellen, sind insgesamt nicht nur äussersts dürftig im Belegen der Gimbutas-Kritik, sondern , unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, teils unsinnig, teils nachweislich fehlerhaft, teils überholt , zumindest fragwürdig.

1) Von Ruth TRINGHAM wird bereits 1989 wahrheitswidrig die Behauptung in die Welt gesetzt, Gimbutas habe die Auffassung vertreten, das Alte Europa sei "von Frauen beherrscht worden".

(Ziff. 1 ) Wahr ist das Gegenteil: Gimbutas hat ausdrücklich geschrieben , sie verwende bewusst nicht den Terminus "Matriarchat", "weil er weit entfernt von der Realität des Alten Europa ist " . Tringham und viele ihrer NachbeterINNEN unterstellen Gimbutas also etwas, was sie nie behauptet hat und richten sie dann dieser Unterstellung wegen hin. Unredlicher kann "Wissenschaft" nicht betrieben werden.

2) Die postmoderne Leugnung einer weiblichen Ur-Gottheit in prähistorischer, und zwar in vor-neolithischer , wie neolithischer Zeit beruht , so zeigen die Argumente der Leugner, auf einem DENKFEHLER: Aus der offenkundigen Tatsache, dass das Patriarchat die Vorstellung eines omnipotenten VATER-Gottes, des HERRN, hervorbrachte und mit jener Theologie verbunden war, darf logischerweise nicht geschlossen werden, dass die Vorstellung und Verehrung einer fürsorgenden MUTTER-Gottheit deshalb ein "Matriarchat" voraussetze. Da sich ein solches historisch nicht nachweisen lässt, entfalle damit auch die "Göttin". Diesen Trugschluss und Denkfehler haben 

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Wissenschaftlerinnen wie Gimbutas und Gerda Lerner vermieden, im Gegensatz zu ihren KritikerINNEN. Die Verehrung einer GÖTTIN setzt weder ein "Matriarchat" voraus, noch hat sie eines zur Folge. 

3) Neben dem ständig wiederholten Gemeinplatz, die Interpretation der sogen. "Venus-Figurinen" und jener von Gimbutas ausgegrabenen weiblichen Figurinen als "GÖTTIN" "GEHT ZU WEIT", sind die vorgetragenen Argumente - wie ich aufgezeigt habe- entweder falsch, oder sie gehen an der Sache vorbei , oder sie sind ihrer Substanzlosigkeit wegen ungeeignet, Gimbutas Interpretation der Figurinen als Göttin zu widerlegen.

4) Bei der Analyse der Argumente der Gimbutas-Kritiker fällt besonders ins Auge, dass keiner der Kritiker sich z.B. mit den archäologischen , sowie kultur- und mythen-historischen Studien von Henry Frankfort, E.O. James oder Samuel Noah Kramer auseinandergesetzt hat, die u.a. auch das -von den Kritikern schlicht bestrittene - Fruchtbarkeits-Ritual der Heiligen Hochzeit zum Gegenstand haben und die eine Fülle von Material vorgelegt haben über die hervorragende Rolle, die die Fruchtbarkeits-GÖTTIN in diesem Ritual gespielt hat.

5) Welche Interpretation oder Deutung die Gemeinde der Göttin-Leugner z.B. für die breitbrüstige weibliche Figur auf dem Leopardensessel in Catal Höyük gelten lassen wollen, oder für die "Venus" mit dem Horn in der Kulthöhle von Laussel, wird vorsorglich verschwiegen. Waren auch sie "Kinderspielzeug" oder dienten sie perversen Männern als pornographische Stimulation ?

6) Für den Historiker ist ferner erkennbar, dass z.B. die Tatsache dass Sargon von Akkad der akkadischen GÖTTIN ISHTAR die Symbole einer SIEGES- und KRIEGS-Göttin zuschrieb, ist nur damit zu erklären ist, dass sie in ihrer Eigenschaft als die 

 "STARKE KÖNIGIN UNTER DEN ERD-GÖTTERN UND HÖCHSTE UNTER DEN HIMMELSGÖTTERN", 

verehrt wurde , und dass es zu jener Zeit ( 2.300 v. Chr.) keinen der Ishtar ebenbürtigen, gleichrangigen, männlichen Gott gab, dem der patriarchalische Krieger-König Sargon seine bedeutenden militärischen Siege über die sumerischen Stadtstaaten hätte zuschreiben können; es blieb ihm also nichts anderes übrig, als sie der HÖCHSTEN unter den Gottheiten zu verdanken. Wie sollte einer Göttin eine so prominente Position zuwachsen, wenn es kurz zuvor, im Neolithikum, überhaupt keine Göttin gegeben hätte ? Auf all diese kulturhistorischen Fragen , bleiben die Göttinnen-Leugner eine Antwort schuldig.

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7) Für den ideologiekritischen Blick ist unübersehbar, dass es in nahezu allen Fällen, in den meisten un-ausgesprochen, oft wohl auch un-bewusst, darum geht, durch die Leugnung jeglicher prähistorischer Verehrung einer "GÖTTIN", nicht das so mühsam durchgesetzte GOTTES-Monopol des VATER-Gottes, des HERRN , zu beschädigen. 

Anders ist der missionarische Eifer nicht zu erklären , mit dem seit 1968 die "akademische" Kampagne gegen die Vorstellung einer prähistorischen "Göttin" betrieben wird , die allen Andersdenkenden androht, sie aus der AKADEMISCHEN Gemeinschaft auszustossen.

Es ist unübersehbar: Die VATER-SOHN- Theologie wird von allen Kritikern verschont, nur die MUTTER-Theologie darf und MUSS geleugnet werden.

Es ist zu befürchten, dass es durch dieses INTERPRETATIONS-VERBOT jener von mir so genannten "Urvater-Gemeinde" gelingt, diesen neuen Glauben , der die Leugnung sowohl einer urgeschichtlichen vor-neolithischen, wie auch neolithischen , Erd- oder Muttergöttin zur Doktrin erhebt, in alle Lehrbücher zu bringen ( die Kirchen werden dazu gern einen Beitrag leisten) . In den Lexika wird dann der Satz stehen:

"Die Existenz der Vorstellung und Verehrung einer prähistorischen Mutter-Göttin oder Erd-Göttin wird von der neueren Forschung als durch nichts erwiesen, abgelehnt. "

Der Irrlehre von der Existenz eines paläolithischen "Ur-Vaters" kann sodann durch die Irrlehre von der NICHT-Existenz einer "Ur-Mutter" ergänzt werden.

Was dient diesem Zweck besser, als die "alte" Interpretation der Venusfigurinen als Göttin zu ersetzen durch eine "neue", AKADEMISCH sakrosankte: 

Die "Venusfigurinen" sind SEX-PUPPEN. die sich sexuell unausgelastete Steinzeit-MÄNNER zu pornografischen Zwecken hergestellt haben.

Ein Leckerbissen ; leider auch für manche -sich selbst so nennende- Feministinnen. ( z.B. Roeder/Hummel/Kunz: Göttinnendämmerung).

8) Es gibt allerdings zwei korrekturbedürftige Gimbutas-Aussagen, die aber in Sheaffers Blog nicht erwähnt werden:

(a) Die inzwischen archäologisch und genetisch-linguistisch gut belegten kriegerischen Kurgan-Invasionen waren (anders als die späteren Invasionen der indoeuropäischen Kelten und germanischen Stämme) in den ersten Migrations-Wellen keine REITER-Krieger, wie Gimbutas annimmt, sondern Streitwagen-Krieger (vgl. "Die Erfindung der Götter" , S. 70 ).

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(b) Die vor-patriarchalen Sozialverbände lebten nicht ohne Exogamie und waren gekennzeichnet durch " matrilokale ENDOGAMIE ", wie Gimbutas annimmt. 

ENDOGAMIE gab es nur auf der STAMMES-Ebene , und diese "Stammes-Endogamie" war nur der soziale Handlungsrahmen, in welchem die Blutsfamilen, jene konsanguinealen Sozialverbände, die eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft bildeten, untereinander und mit einander ihre EXOGAMIE matrilokal praktizierten. Auch diesen soziologischen Zusammenhang macht Gimbutas nicht klar. (vgl. "Die Erfindung der Götter" , S. 69, 85 ).

vgl. auch in diesem Blog :

Zur Sozialorganisation der Boviden-Züchter

Der URVATER-GOTT : Freuds patriarchalische
Gottes-Definition für die Urgeschichte

Zum Wortstamm "arché"  im   Begriff   "Matriarchat"

Indoeuropäer und Kurganpopulationen

Zum "Darwin Code" von Thomas Junker : Evolutionsbiologie

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