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Priesterin und Schamanin vor 12.000 Jahren

Ein archäologischer Befund, der in der wissenschaftlichen Literatur bemerkenswert geringe Beachtung findet und in seiner Tragweite nicht herausgestellt wird, ist das Grab einer FRAU  der Natufien-Kultur, das auf 10.000 v. Chr. datiert wird.

Was ist das Besondere an diesem Grab ?

DIE ZEIT ONLINE  vom 13.2.2009  (Sven Stockrahm):

 natufien-grab

So wie auf dieser Zeichnung haben die Archäologen die Ruhestätte der alten Frau vorgefunden. War sie eine Schamanin?

© P. Groszman/PNAS

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DIE ZEIT ONLINE  vom 13.2.2009  (Sven Stockrahm):

"Fest steht: Die kleine Person von knapp 1,50 Metern wurde kaum älter als 45 Jahre. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Höhle Hilazon Tachtit, im westlichen Galiläa. Vor allem aber schmücken das Grab im heutigen Israel höchst sonderbare Beigaben – allein 50 Schildkrötenpanzer, dazu die Überreste von Mardern, das Skelett eines Leoparden, Adlerflügel, Wildschweinknochen, ein Kuhschwanz. Und ein menschlicher Fuß.

Die Archäologin Leore Grosman von der Hebräischen Universität in Jerusalem:  "Die Art und Weise, wie das Grab hergerichtet worden ist, legt nahe, dass die Frau eine Schamanin gewesen ist." Die Ruhestätte der Priesterin unterscheide sich deutlich von anderen Gräbern, die aus dieser Zeit im Orient entdeckt worden seien, berichtet Grosman in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin PNAS. Die Menschen, die die kleine Frau beerdigten, brachten ungewöhnlich viel Kraft und Mühe auf. Sie schlugen eine ovale Mulde in das harte Gestein und bedeckten das Untere des Grabes mit Lehm. Zusätzlich kleideten sie die Wände mit Kalksteinplatten aus. "Die Tote wurde sehr genau in ihrem Grab positioniert", sagt Grosman. Mit dem Rücken zur Wand, die Beine angewinkelt ähnlich wie im Schneidersitz betteten die Totengräber die Frau. Anschließend beschwerten sie die Tote mit zehn größeren Steinen, legten Tierüberreste und eine Basaltschale ins Grab und verschlossen die Ruhestätte mit einem dreieckigen Kalkstein.

Die tatsächliche Stellung der Priesterin zu Lebzeiten bleibt wohl im Verborgenen. Dennoch: Ihr Grab zeugt von den frühesten spirituellen Ritualen, die Menschen praktiziert haben. Solche Zeremonien sind die Grundlage für das Zusammenleben in Gemeinschaften, die gleiche Vorstellungen teilen. Grosman ist überzeugt, dass ihr Fund die Debatte, wie Menschen vor 12.000 Jahren lebten, neu entfachen wird. Und dies ganz ohne Voodoo-Zauber."

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Dass die ZEIT ihren Artikel dennoch mit der Schlagzeile versieht:

Das Grab der Voodoo-Priesterin

ist bedauerlich und zeugt von wenig Respekt gegenüber der zitierten Wissenschaftlerin . Das Bedeutsame an diesem Fund , was in dem Artikel nicht zum Ausdruck kommt, ist die Tatsache, dass es keinen vergleichbaren Fund solchen Alters gibt, in denen ein Mann als  "PRIESTER"  oder   "SCHAMANE"  bestattet worden wäre.

Dieser Befund  kann also als Bestätigung für die Theorie angesehen werden, dass  es zu Beginn des Neoloithikums  Frauen  , und nicht Männer , waren, die  in den Lebensgemeinschaften   die kultische Funktion der Priesterin bzw . Schamanin  ausübten. Dies hängt damit zusammen, dass die paläolithische Vorstellung einer GÖTTIN allen Lebens und des Todes, die  zugleich die   "Mutter der Tiere"   (später, in hierarchischer Zeit als  "HERRIN  der Tiere" verstanden) , war.

Ein Befund, welcher der Urvatergemeinde äusserst unangenehm ist und dessen Bedeutung  deshalb möglichst  geschmälert wird.

http://www.zeit.de/online/2008/45/grab-schamane?page=1

gerd_bott_die_erfindung_der_goetter_th_180

 

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