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Die vergebliche Suche des Biologen
Robert Trivers nach dem Urvater

Thomas Junker macht sich (in seinem Buch  "Der Darwin Code") folgende Auffassung des Evolutionsbiologen Robert TRIVERS zu eigen:

(1)  Die körperliche Schönheit der Frauen spräche dafür, dass die Männer sexuell wählerisch seien.
(2)  Dieses wählerische Verhalten mache  aber nur dann Sinn, wenn die Männer auch ein  "Investment für den eigenen Nachwuchs leisteten".

Mit dem ersten Satz bin ich einverstanden;  an der daraus gezogenen Schlussfolgerung des zweiten Satzes, an dem Junktim , habe ich erhebliche Zweifel:  Womit begründet  Robert Trivers seine Annahme, dass Männer nur dann sexuell wählerisch sein können, wenn sie dadurch zugleich ein "väterliches Investment" leisten ?

Ich   habe   Darwins    Lehre   von   der    sexuellen Selektion  ("Zuchtwahl") - zustimmend -   wie folgt verstanden:

Eine paläolithische Frau hat durch ihre , auf Männer wirkende , erhöhte sexuelle Attraktivität  (beruhe diese auf Chemotaxis oder männlicher erotischer Präferenz)  einen natürlichen Selektionsvorteil für ihre Gene, weil sie durch "Schönheit", verstanden als sexuelle Attraktivität, ihre Chancen erhöht, auf viele Männer zu wirken und somit jedes ihrer vier Kinder von einem anderen Erzeuger zu empfangen , wodurch sich wiederum die Fitness ihrer Nachkommenschaft insgesamt  und damit die Selektion ihrer Gene erhöht. Weibliche Attraktivität wird also selektiert, und zwar unabhängig davon, ob sich ein bestimmter ihrer Sexualpartner  auch speziell um ihren Nachwuchs kümmert. Ein Mann mag vielleicht den Wunsch haben, eine besonders  attraktive  Frau für sich sexuell zu monopolisieren, kann aber diesem Wunsch angesichts der  "female choice" und der gegebenen sozialen Verhältnisse keinen Nachdruck durch Zwang verleihen. "Investitionen in seinen eigenen Nachwuchs" sind also angesichts der Organisation paläolithischer Sozialverbände ohne Bedeutung. Sexuelle Attraktivität wird auch ohne dies selektiert.  Mit seinem Junktim , so denke ich, hat Robert Trivers (ähnlich wie Lovejoy oder Wrangham) eine weitere Irrlehre etabliert. Welche Belege führt Trivers für seine windige  These an, dass ein homo sapiens-Mann nur dann auf die besondere sexuelle Attraktivität einer Frau reagieren würde, wenn er zugleich sicher sein könne und sicher sei, ein "väterliches Investment" für seinen eigenen Nachwuchs zu leisten ?

Implizit behauptet Trivers damit ja, dass ein homo sapiens-Mann, dem die biologische Tatsache der physiologischen Vaterschaft unbekannt ist, auch unfähig wäre, sexuelle Präferenzen zu entwickeln. Die Entwicklung erotischer Vorlieben abhängig zu machen  von der Erkenntnis und dem Bewusstsein der eigenen Vaterschaft, erscheint mir unlogisch und angesichts ethnologischer Befunde  zudem unhaltbar.

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Ich frage deshalb: Welche Argumente führt Trivers dafür an, dass ein homo sapiens-Mann, der keine Kenntnis der Tatsache biologischer Vaterschaft hat (wie z.B. noch die von Malinowski beschriebenen Trobriander) unfähig sei,  sexuelle Präferenzen zu entwickeln , also sexuell  wählerisch zu sein ?

Ferner ist ja erwiesen, dass das  (oft in seiner Bedeutung verkannte) Avunkulat dem Gen-Egoismus eines Mannes ebenso, ja sogar verlässlicher,  dient als  die unerkannte bzw. ungewisse - biologische Erzeugerschaft: Auch die Männer der in China lebenden Ethnie der MOSUO sind durchaus wählerisch und haben sexuelle Präferenzen, und doch macht keiner von ihnen ein "väterliches Investment" , sondern investiert seine genetischen Interessen (oder Instinkte) in die Abkömmlinge seiner Schwester (wie bei den Trobriandern).

Schon naturwissenschaftlich  macht also Trivers' Junktim keinen Sinn; kulturwissenschaftliche Befunde widerlegen seine Annahme darüber hinaus.

Unter diesen Umständen trifft Trivers also eine ganz besondere Beweislast, und ich  habe bisher nicht gesehen, dass er dieser Beweislast genügt hätte.

Wenn Thomas Junker  schreibt, dass  "sexuelle Attraktivität" durch  "ästhetische Präsentation" entsteht (S. 162) , dann ist  auch ihm die Frage zu stellen:

Warum sollte ein Mann, der zwischen den Avancen mehrerer , mit einander durch sexuelle Attraktivität konkurrierender , Frauen  wählen kann,  diese  Wahlmöglichkeit nur  ausüben, wenn er ein  "VÄTERLICHES INVESTMENT" macht ?
Warum genügt nicht sein   "angeborenes Verlangen nach Schönheit" , von dem Thomas Junker ausgeht ?

Den evulutions-biologischen Befund , dass paläolithische Männer attraktive Frauen sexuell bevorzugten, so dass deren Gene und damit weibliche Schönheit selektiert wurde,  erkenne ich an.  Daraus allerdings den Schluss zu ziehen,  dieser Befund beweise , dass eine solche sexuelle Zuchtwahl vonseiten der Männer notwendig mit einem  "väterlichen Investment" verbunden sei  und ohne ein solches nicht denkbar wäre, ist ja offensichtlich ein logischer Trugschluss.  Es wundert mich, dass Thomas Junker nicht erkannt hat, dass Trivers hier einem Irrtum erlegen ist.

Ich kann zwischen einem wählerischen Sexual-Verhalten und einem väterlichen Investment keinen logischen Zusammenhang  erkennen.

Zu diesem Themenkreis vgl. ferner die   Anmerkungen  * S. 273 ff.  und S. 294 ff.  zu  de Waal et al.:  " Tree of Origin"  und Lovejoy: "The Origin of Man",  sowie in diesem Blog : 

Zum Darwin Code

Wo  ist  der  PHALLUS  des  UR-VATERS  ?

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