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"Venus vom Hohlefels" :
"Ahnungslosigkeit" der Archäologen

Wenn der Archäologe und Ausgräber  dieser 40.000  Jahre alten "Venus vom Hohle Fels", Nicholas Conard von der Universität Tübingen, zwar nicht ausschliessen mag, dass es sich vielleicht um ein "Fruchtbarkeitssymbol" handeln könnte, sich aber sonst an Interpretationen nicht  " heranwagt", weil er betont:

"Ich war nicht da vor 40.000 Jahren, und unterm Strich habe ich keine Ahnung" ( so SPIEGEL  ON-LINE 13.5.2009), so kann der Ahnungslosigkeit des Archäologen abgeholfen werden mit folgenden kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Argumenten:

(1)  Mit der Bezeichnung als   " VENUS" wird ja  -und dies zutreffend- eingeräumt, dass es sich bei der Elfenbeinskulptur  zumindest  um eine  GÖTTIN  handelt;  denn  die römische Venus  war eine Göttin.

(2) Weniger ideologisch wäre es allerdings ,  n i c h t  -wie leider üblich-   von "Venus"  und  "Venus-Figurinen" zu sprechen, sondern  stattdessen  von "GAIA" . (vgl. Gerhard Bott: Die Erfindung der Götter, S. 388). "GAIA vom Hohle Fels" würde das, was wir vor uns haben, sehr viel genauer beschreiben:   Die  "Theogonie"  des HESIOD belehrt uns, dass  noch das kulturelle Gedächtnis  der Griechen zur Zeit der Dorer die archaische Erinnerung bewahrt hatte an eine  "BREITBRÜSTIGE UR-MUTTER", deren ursprüngliche Fruchtbarkeit sich die Menschen in archaischer Zeit als unabhängig von der Sexualität vorgestellt hatten, weil ihnen der Zusammenhang von Fruchtbarkeit und Sexualität noch nicht bekannt war:

Die Ur-Göttin GAIA  gebar ihren Sohn URANOS aus sich selbst, ohne Sexualität; denn es gab nur SIE.  Uranos hat keinen Vater, wie die Göttin selbst auch nicht. Ihr wurde Aseität zugeschrieben, d.h. Gaia war eine SELBSTENTSTANDENE. Diese UR- MUTTER allen Lebens wird dann in der Folgezeit  der Antike nicht nur als Mutter ihres Sohn-Gatten  Uranos , sondern als  "MUTTER ALLER GÖTTER" betrachtet und verehrt. All dies  ist nachzulesen bei Hesiod und sollte jedem Kulturwissenschaftler bekannt sein.

(3) Mit der GÖTTIN vom Hohle Fels haben wir nunmehr einen archäologischen Beleg dafür, dass die ältesten  -bisher gefundenen- künstlerischen Artefakte nicht nur Tier-Skulpturen sind (wie bisher angenommen), sondern dass  bereits vor 40.000 Jahren, also zur Zeit des paläolithischen Aurignacien , als  homo sapiens-Populationen von Westasien nach Europa einwanderten,  die Skulptur einer  "Venus", also einer  GÖTTIN, hergestellt worden war.

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Für jeden kulturwissenschaftlich gebildeten Prähistoriker ist unübersehbar, dass die Göttin vom Hohle Fels bereits ein Symbol  der  BREITBRÜSTIGEN, NÄHRENDEN, GEBÄRENDEN und REGENERIERENDEN  UR-MUTTER aller Lebewesen, d.h. der Menschen sowohl wie der Tiere und beider Nahrung, ist.  Das zeigen sowohl die  -auch in späteren Zeiten immer wiederkehrenden-  überdimensionierten Brüste , wie die, das Lebende gebärende, Vulva , und der betonte (geschwollenen) Mutterleib, auf den z.B. die in der Kulthöhle  von Laussel  verehrte (ca. 28.000  Jahre alte) Göttin demonstrativ ihre linke Hand legt.

Von besonderer Bedeutung ist auch der betonte  BAUCH-NABEL, dieses archaische  "Mutter-MAL" , das  jeden Menschen kennzeichnet als unübersehbares  Merkmal  der   "Entbindung"  und "Mutter-Bindung", der Matrilinearität seiner Herkunft. Dieser  Bauchnabel wird uns auch später immer wieder begegnen (z.B. Willemdorf, Catal Höyük etc.)

(4)  Die   Hervorhebung dieser  nährenden und regenerierenden Merkmale der Ur-Mutter alles Lebendigen, ohne dass individuellen Gesichtszügen eine Bedeutung beigemessen wird (abgesehen von der ca. 30.000 Jahre alten  "Venus von Brassempouy) lässt uns erkennen, dass schon diese Skulptur ein über-personales  PRINZIP verkörperte; es ging um die  Gewährung und Wahrung jener Nahrung spendenden  FRUCHTBARKEIT  DER ERDE, sowie um   FÜRSORGE.

Soziologisch und sozio-historisch ist davon auszugehen, dass die Frauen der paläolithischen Wildbeuter-Genossenschaften von der Göttin keinen  "Kinder- Segen" erbaten, wie oft fälschlich unterstellt wird.  Kinder-Reichtum und Kindersegen sind Denkkategorien der Sesshaften im Neolithikum. Für Wildbeuter  wären viele Kinder eine Last gewesen , und es gab sie auch nicht;; dafür hatte die Natur gesorgt, denn die Zwischengeburtszeiten betrugen  vier Jahre. (vgl. "Die Erfindung der Götter").

Den Paläolithikern ging es also   allein um die Fruchtbarkeit der NATUR, der ERDE, die den Menschen ihre Nahrung spendet; schließlich ist die Göttin nicht nur die Ur-Mutter der Vegetation, sondern auch der Tiere, die der ergänzenden Ernährung der Menschen  dienten.

Psychoanalytisch und psycho-historisch ist davon auszugehen, dass jene adorierte UR-MUTTER auch das Bedürfnis der Menschen nach  FÜRSORGE  und SCHUTZ  stillte :  Die Mutter, die dem Kind (sei es Mädchen oder Junge) das Leben gegeben,  es mindestens drei Jahre lang  genährt und an ihrem Körper vor Gefahren behütet und Schutz gegeben hatte, wird im Seelenleben der Menschen zu einer natürlichen Übermacht , einer Grossen Mutter, die sie und alles Lebendige erschaffen hat.  Auf das übersteigerte  Erinnerungsbild der Mutter aus der Kindheit greifen also  die Menschen auch als Erwachsene

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zurück und erheben  sie zur Gottheit, ebenso wie sie es in späterer, in patriarchalischer Zeit des Neolithikums, mit dem Vater machen werden.

vgl. hierzu  ferner in diesem Blog ;

Wo ist der Phallus des Urvaters ?

Robert Trivers  vergebliche Suche nach dem Urvater 

Die Anti-Gimbutas-Kampagne:  Der Kampf gegen die Göttin

"Sex für Beute" ?   Denkfehler im Max Planck-Institut Leipzig

Der URVATER-GOTT :Freuds patriarchalische
Gottes-Definition für die Urgeschichte

Zum  "Darwin Code"   von Thomas Junker :  Evolutionsbiologie

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