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Wo ist der PHALLUS des UR-VATERS ? 
Zum " PHALLUS " - Fund des Archäologen 
Michael BOLUS.

In der PRINT-AUSGABE des SPIEGEL vom 18. 5. 2009 mit dem albernen Titel "TRAUMFRAU" , (so wird von der "Wissenschaftsredaktion" die "VENUS vom HOHLE FELS" in der Schwäbischen Alb bezeichnet) , wird unvermittelt das Alter " des ältesten jemals gefundenen PHALLUS" plötzlich nochmals um 10.000 Jahre in die Vergangenheit verlegt und mit 36.000 Jahren angegeben, obwohl dieser ominöse Fund in Spiegel online vom 25.7.2005 mit 26.000 v. Chr . datiert wird .

Zutreffend wird in diesem Spiegelartikel darauf hingewiesen, dass jener (fehlerhaft datierte ) "WERKZEUG-PHALLUS" der Schwäbischen Alb bisher "der einzige Phallus aus dem Paläolithikum " ist . 

MERKE: Sonst keine Spur eines Phallus im Paläolithikum !

Die Deutung des Tübinger Archäologen Michael BOLUS ist, dass jenes STEINWERKZEUG "eindeutig als Phallus interpretiert" werden könne. Diese Interpretation ist aber aus folgenden Gründen in Zweifel zu ziehen : Die Tatsache , dass es sich bei dem Stein-Stab, der hier zum Phallus aufgewertet werden soll, um ein Gebrauchs-Werkzeug handelt, wischt der Archäologe mit der Begründung vom Tisch , dass ja die meisten künstlerischen Artefakte zugleich als Werkzeuge genutzt worden wären . Ein unzutreffendes Argument: Denn unübersehbar und bemerkenswert ist die Tatsache, dass die sakralen Artefakte der "breitbrüstigen nährenden Mutter-Göttin " eben niemals zugleich als Werkzeuge benutzt worden sind, wie auch die "VENUS vom Hohle Fels" von 35.000 v. Chr. wiederum eindeutig erkennen lässt.

Die gesamte Ideologie der "Phalliker", denen es unerträglich ist, dass während des gesamten Paläolithikums kein eindeutiges Phallus-Symbol in Erscheinung tritt, hängt also an diesem einen und einzigen STAB , der ein Werkzeug war. 

Aber selbst dann, wenn man der Interpretation folgen würde, dass jenes paläolithische Werkzeug als Phallus interpretiert werden könne , folgt daraus nicht, dass jener Phallus ein sakrales Fruchtbarkeits-Symbol gewesen wäre.

Sollte es sich also bei dem , einem Phallus ähnlichen , "WERKZEUG", das ja aus Bruchstücken von den Archäologen zusammengesetzt wurde, tatsächlich um ein PHALLUS-SYMBOL handeln, so würde dies kulturwissenschaftlich exakt allenfalls als Sexual-Symbol anzusehen sein, nicht aber als geheiligtes Symbol der Fruchtbarkeit . Es ist logisch, dass vor der Erkenntnis des Fruchtbarkeits-Aspektes des menschlichen Sexualakts und der damit verbundenen Heiligung der menschlichen Sexualität, also vor 8.500 v. Chr., auch der Phallus nicht als Symbol de Fruchtbarkeit wahrgenommen werden konnte. (vgl. hierzu im einzelnen * Kapitel IX. , S. 151 ff. ) 

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Auch die von K. Schmidt in Göbekli Tepe gefundenen neolithischen Phalloi oder Protome stammen ja , wie von ihm selbst angegeben, alle aus der Zeit nach 8.500 v. Chr. (vgl. hierzu meinen * Anmerkungs-Essay 17, S. 358).: Zwar möchte Schmidt gern in einer von ihm abgebildeten Kleinskulptur (S. 159) einen Phallus sehen, aber dabei handelt es sich um eine willkürliche Interpretation, um Wunschdenken. Die einzige eindeutige Phallus-Darstellung, die Schmidt vorzuweisen hat , ist die Protome (S.99), und diese stammt eben nicht aus dem Heiligtum selbst und zudem erst aus dem 8. Jahrtausend v.Chr. , wie ich in meiner Kritik dargelegt habe, wobei ich von Schmidts eigenen, im Text aufzufindenden Daten ausgegangen bin. 

Hinzu gefügt sei noch, dass Mellaart in Catal Höyük keine unzweifelhaften Phallus-Symbole vorfand ( S. 107) , sondern dass diese erst ein Jahrtausend später , und nur vereinzelt, archäologisch nachweisbar sind : In seinem zweiten Buch von 1975 (Neolithic) führt er im Register nur v i e r Fundstellen für "Phallus" an, welche sind:

5.800 v. Chr. in TEPE GÜRAN (aaO. S. 87).

5.800 v. Chr. in SARAB (aaO. S. 89). ( aaO. S. 151)

5.500 v. Chr. in TELL-es SAWWAN (aaO. S.151).

5.000 v. Chr. in der HALAF-Kultur (Phallus-Amulette) (aaO. S. 167).

Diese neolithischen Phallus-Symbole treten zudem nie für sich allein auf, sondern immer in Verbindung mit Statuetten der Göttin . Solche weiblichen Kultstatuetten und deren Abbildungen sind , wie schon Mellaarts Register zeigt (aaO. S. 298) , so zahlreich, dass eine Einzelerwähnung hier unterbleiben kann. Es wäre wünschenswert, wenn auch ein Archäologe vom DAI dieses Buch eimal rezipieren würde , bevor er Aussagen zu Fragen der Kulturwissenschaft macht. 

Das Bedürfnis der "Phalliker" um jeden Preis einen paläolithischen Phallus vorzuweisen, führt sie zu abenteuerlichen Verrenkungen: Der spanische Prähistoriker Moure Romanillo transformiert in seiner Not deshalb die berühmte stabartig-abstrakte "Venus von Dolni Vestonice", gekennzeichnet durch Brüste im oberen Drittel des Stabes und allgemein als abstrakte Darstellung der Göttin aus dem Paläolithikum angesehen, als Phallus., indem er die Brüste in seiner Not zu Hoden umdeutet . ( vgl. * S.156).

vgl. *Kapitel IX : Die Heiligung der Sexualität im Neolithikum (S. 151 ff.)

und in diesem Blog :

Robert Trivers' vergebliche Suche nach dem Urvater

Reflexionen zur  Fruchtbarkeits-Symbolik ...

gerd_bott_die_erfindung_der_goetter_th_180

 

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